Archive for Mai, 2007

In der Egostruktur lebe ich getrennt von den andern Menschen. Streit ist oft die Folge.

Je besser ausgebildet meine Egostruktur ist, desto mehr Hirnverknüpfungen im Materiefeld habe ich aufgebaut und desto mehr Gedanken-,Emotions- und Handlungsmuster stehen mir im Vergangenheitsfeld zur Verfügung. Die Muster im immateriellen V-Feld werden in den Hirnverknüpfungen abgebildet. Positiv gesagt werde ich als irdischer Mensch immer individueller, da die Muster ja aus meiner speziellen Optik entstanden sind. Ein Sportler baut andere Muster auf als ein Lehrer. Meine Muster bilden die Brille, mit der ich die Welt betrachte. Ich bewege mich mit meiner Art die Welt zu erleben von den anderen immer weiter weg.Wenn ich nicht gleichzeitig die verbindenden Kräfte aus dem Gegenwartsfeld pflege, werde ich mit der Zeit mein egoistisches Leben in meiner Egostruktur getrennt von allen anderen Menschen leben. Die Egostruktur ist bemüht, sich gegen alle anderen Egostrukturen durchzusetzen, sich selbst zu erhalten und zu fördern. Für die Egostruktur ist dies ein in sich stimmiger Vorgang. Als Mensch habe ich ja mit dem Zugang zu meiner Individualität, die im G-Feld existiert, den Gegenpol zum natürlichen Egoismus. Im G-Feld sind wir alle eins. Es gibt nichts, was ich nur für mich brauche, um überleben zu können. Die Ressourcen im G-Feld sind unendlich. Es ist kein Kampf ums physische Überleben nötig. Wenn nun der Mensch seinen Ursprung vergisst, ist er ausschliesslich dem einen Pol, seiner Egostruktur, ausgeliefert. So entsteht fast zwanghaft Streit und Schlimmeres.

Mein wahres Ich ist nicht im Körper, sondern über-all.

Wir haben uns schon so lange von unserem wahren Ich, unserer Individualität entfernt,dass es uns gar nicht mehr auffällt, wie wir uns nur noch von unseren Strukturen leiten lassen, die auf unser Gehirn beschränkt sind. So erleben wir die Welt nur noch aus der sehr beschränkten Egostrukturperspektive.

Die Umkehrung des Spruchs lautet: Unsere Egostruktur ist unser Körper und erlebt die Welt nur aus der Perspektive des eigenen Körpers.

Sie interessiert sich nur, was dem eigenen Körper gut tut. Die Egostruktur ist der Egoist!
Der Normalbürger hat beim Wahrnehmen tausende Strukturen, Erinnerungsvorstellungen, die im Hirn verankert sind, die er automatisch über die Wahrnehmungen stülpt. Er läuft mit permanenten Vorurteilen durch die Welt. So sieht er nichts, was nicht zu seinem Vergangenheitsmuster passt. Er läuft durch die Welt und vereinfacht die Welt mit seinen Erinnerungen. Er sieht nur, was er schon kennt. Die vereinfachte Welt hat er im Griff. Er erlebt keine Angst vor nicht erklärlichen Wahrnehmungen, weil er (fast) alles automatisch einordnen kann.

Bsp. Bei einem Spaziergang sieht man links ein Haus. Mit einem Blick laufen unbewusst die Erkennungsmechanismen ab. Die Erinnerungsvorstellung des Hauses, das man schon oft gesehen hat oder eines relativ allgemeinen Hauses (Wände, Fenster, Dach) verknüpft sich mit der Wahrnehmung. Ich kann beruhigt daran vorbeigehen. Alles ist klar. Ich weiss, was ich links vor mir habe. Es droht keine Gefahr. Ich kann mich beruhigt in mein abstraktes Innenleben zurückziehen und schaue nicht mehr genau hin. Wenn ein Lichtreflex auf einer Fensterscheibe mir ins Auge leuchtet, nehme ich ihn nicht mehr wahr oder erledige ihn mit dem Begriff „Reflex“ und schon ist die Welt wieder in Ordnung. Daraufhin gehe ich einer Hecke entlang. Blitzschnell kommt aus der Vergangenheitsstruktur die Vorstellung einer Hecke. Ich muss die Hecke nicht mehr mustern. Ich weiss schon im voraus, was eine Hecke ist. Ich gehe beruhigt weiter. Nun kommt die Strasse. Auch hier ist es blitzschnell klar, dass Autos vorbeifahren. Ich muss die einzelnen Autos gar nicht mehr genau betrachten. Ich weiss auf Grund meiner Vergangenheitsstrukturen, dass sie von links kommen, mit einer bestimmten Geschwindigkeit sich nähern und oft bremsen, wenn ich am Strassenrand stehe. Auch hier ist alles klar. Ich brauche keine Angst zu haben.

Wenn ich zu Hause angekommen bin, habe ich eine Welt erlebt, die sich mit einigen bekannten Begriffen – Häuser, Hecken, Strassen, Autos – beschreiben lässt. Ich habe eigentlich nichts Neues gesehen. Ja, ich habe eigentlich überhaupt nichts gesehen. Das erste Haus habe ich nur als Haus taxiert. Ich habe es gar nicht angeschaut. Ebenso die Hecke und die Strasse auf der die Autos fuhren. Ich habe kein einziges Auto erkannt. Ich sah keinen Menschen am Steuer usw. Ich bin vergangenheitsgesteuert, als Roboter spaziert und habe mir unterbewusst nur bestätigt, was ich schon kenne. Grosse Teile des Lebens der so genannten Normalmenschen verlaufen auf diese Weise.

Betrachten wir die Welt einmal unter dem Gesichtspunkt von Wesen, die nicht nur Egostruktur gesteuert sind. Dies sind die Autisten, AD(H)S- Kinder und Kinder im Allgemeinen. Spazieren wir nun nochmals im Bewusstsein eines Autisten, der ganz in der Gegenwart lebt, denselben Weg. Der Autist (siehe das interessante Buch von Temple Grandin “Ich sehe die Welt wie ein frohes Tier, eine Autistin entdeckt die Sprache der Tiere” ) lebt ganz im Gegenwartsfeld, d.h. er hat die abstrakten Erinnerungsvorstellungen nicht zur Verfügung. Er greift nicht dauernd auf die Vergangenheitsstrukturen zurück. Er lebt in seiner Hirn unabhängigen Bilderwelt des Gegenwartsfeldes. Er lebt de-zentriert im Aussenraum.

Er sieht links dasselbe Haus. Nun kann er nicht die Struktur der Erinnerungsvorstellung „Haus“ über seine Wahrnehmung stülpen. Er ist zuerst einmal verunsichert. Ein Angstgefühl steigt auf. Er sieht ein Fenster. Er beobachtet fasziniert den Lichtreflex, wie wenn er zum ersten Mal einen Reflex gesehen hätte. Er bleibt stehen und freut sich am Lichtspiel oder rennt davon, weil es ihn irritiert. Er betrachtet den Verputz des Hauses. Bemerkt diverse Risse. Sieht in den Rissen die Ameisen die nach oben krabbeln. Ausserdem bilden die Risse für ihn Flüsse und Bäche, wilde Tiere usw. Er bemerkt, dass das Holz der Fenster morsch ist und dass die Farbe abblättert. Er sieht den Kupferdraht des Blitzableiters und tausend Details mehr.

Natürlich hat auch der Autist bestimmte Vergangenheitsstrukturen, die sich über die Details stülpen, sonst sähe er im Irdischen überhaupt nichts. Er besitzt ja auch ein Gehirn, das zur Wahrnehmung geschaffen wurde. Nur laufen bei ihm die Bilderwelten des G-Feldes parallel ab. Solange die Details ins gewohnte Bild passen, lebt er ohne Angst und zufrieden.

Nun gehe ich weiter und komme zur Hecke. Es ist nicht die allgemeine Hecke, sondern genau diese einmalige Hecke. Die Erinnerungsstruktur „Hecke“ wird nicht übergestülpt. Ich betrachte jedes Blättchen, staune über die Welt der verschiedenen Blätter. Ich sehe Details, die mir noch nie aufgefallen sind: zackige Blätter, abgestorbene Zweige, die im letzten Jahr noch grün waren. Rundliche Blätter, die braunen Zweige dahinter die Blätter tragen, eine Vielzahl von Insekten usw. Die Hecke, die ich zuvor nur als Hecke klassierte und weiter gegangen bin, wird zu einer eigenen Welt, in der ich mich stundenlang aufhalten könnte. Da ich nicht mehr von alten Strukturen geleitet bin, auch von der Zeitstruktur nicht, wird mein Spaziergang, der im „Normalbewusstsein“ nur 10 Minuten dauerte zu einem stundenlangen Ausflug in fremde Welten. Nun begegne ich wie zum ersten Mal der technischen Welt der Strasse. Ich bleibe verängstigt stehen. Was ich hier erlebe ist Furcht einflössend: stinkende, dröhnende Blechkisten fahren vorbei. Ich sehe Menschen hinter den Scheiben, die etwas Rundes halten. Plötzlich knallt es. Ich erkenne den Knall nicht als Fehlzündung und renne verstört davon.

Beim nächsten Mal erinnere ich mich daran, wie der Weg verläuft. Vielleicht kommt mir der Riss im Verputz bekannt vor und ich weiss dann, dass nun die Hecke kommt. Vor der Hecke erlebe ich jedoch wieder eine ganz neue Welt. Es ist nicht mehr dieselbe Hecke. Nun sind einige Blätter grösser geworden. Die Äste dahinter sind nicht mehr sichtbar. Ich habe keine übliche Erinnerungsstruktur in meinem Gehirn aufgebaut, die mich an das letzte Mal erinnert. Ich erinnere mich vielleicht an ein Detail, das ein Normalbürger vergessen hätte.

Dieses Bewusstsein haben wir alle als Kind durchlaufen. Es entspricht dem kleinen Kind, das ohne Bewusstsein für die Zeit lebt, sich in Details verlieren kann, noch staunend, ohne Vorurteilen der Welt begegnet und für uns Erwachsene oft irrational handelt. Es entspricht auch dem Bewusstsein der ADS-Kinder. Allen gemeinsam ist, dass sie (noch) nicht den physischen Körper mit seinen Hirnstrukturen durchdrungen haben und auf die Erinnerungsstrukturen des Gehirns zurückgreifen können. Sie leben noch stark in den Bilderwelten (fälschlicherweise “kindliche Fantasie” genannt) des Gegenwartfeldes.

Weil sie im G-Feld leben, nehmen sie eine unendliche Flut von Details wahr. Sie sind überall. Sie haben nicht nur die enge Brille der Vergangenheitsstruktur an. Sie sehen alles im weiten Umfeld, auch dasjenige, was ihrer Egostruktur nicht dient. Sie leben im Gegenwartsbewusstsein über die Welt ausgegossen. Sie sind in ihrem wahren Ich, das den Körper nur als Orientierungspunkt braucht. Diese Menschen, von denen die meisten Kinder sind, leben kein Leben, das abgetrennt von der Welt, im Gefängnis der Egostruktur, die auf den eigenen Körper beschränkt ist,stattfindet. Bei ihnen stimmt der Spruch: Mein wahres Ich ist nicht im Körper, sondern über-all!


Ich bin im wahren Ich eins mit dem Objekt und allen Menschen

Auf der materiellen Ebene kann ich nicht dort sein, wo sich ein anderes Objekt befindet. Auf der Ebene des Gegenwartsfeldes (G-Feld) hört die Subjekt-Objektspaltung auf. Alle Wesen, die im Gegenwartsfeld (G-Feld) leben haben ihre sichtbaren und/oder unsichtbaren Strukturen im Materie- oder Vergangenheitsfeld (V-Feld) zurückgelassen. Sie definieren sich nicht mehr auf Grund ihrer äusseren Strukturen. Im G-Feld gibt es keine Objekte, nur Ich-Bin-Wesen. In der strukturlosen Gegenwart kann ich niemandem gegenüberstehen, sonst würde ich ja einer Struktur gegenüberstehen, die schon vergangen ist. Ich kann nur mit meiner Bewusstsein schaffenden inneren Aktivität eine andere innere Aktivität wahrnehmen. Ein Aktivitätswesen nimmt durch seine Aktivität ein anderes Aktivitätswesen gegenwärtig wahr. Es kann nur die gegenwärtige Aktivität wahrgenommen werden. Passivität ist mit Blindheit gleichzusetzen, weil es kein von Strukturen (Sinnesorganen) gestütztes automatisches Wahrnehmen mehr gibt. Ich muss aktiv die Aktivität des andern wahrnehmen. Ich bin nur in meiner eigenen Aktivität bewusst eins mit dem andern. Ohne Aktivität bin ich ein in die Strukturen des Materiefeld gefallenes Wesen, das dort durch die Stütze des Aussenraums – genannt physischer Körper- ein passives Bewusstsein erhalten hat, das ihn aber von den anderen trennt. Die Trennung ist eine direkte Folge des passiven Bewusstseins. Wir sind eigentlich nie vom göttlichen Bewusstsein getrennt. Wir trennen uns jede Sekunde durch unsere Passivität selbst. Das Gegenwartsbewusstsein bauen wir immer selbst auf. Da dieses Bewusstsein im G-Feld entsteht, werden wir durch unsere Aktivität nie müde, weil wir nicht in den Strukturen unseres physischen Körpers leben. Nur der physische Körper kann ermüden!Im Physischen sind wir immer getrennt. Im G-Feld sind wir alle eins. Die Trennung von unserer eigenen Individualität empfinden immer mehr Menschen schmerzlich. Sobald wir durch innere Aktivität uns selbst gefunden haben, haben wir auch alle andern Individualitäten, die mit uns verbunden sind gefunden. Wir sind mit ihnen eins.

Ein Gedankenanstoss: Wir können im G-Feld auch Aktivitätswesen wahrnehmen, die keine äusseren Strukturen mehr besitzen oder noch nie besessen haben.

In der Egostruktur vergesse ich meine Individualität.

Wenn ich mich nur vom Bewusstsein meiner Egostruktur leiten lasse, entferne ich mich immer weiter von meiner Individualität. Die Egostruktur hat nur ein Vergangenheitsbewusstsein, das sich auf die materiellen Vorgänge im Gehirn stützt. Sie weiss, dass ihr Bewusstsein mit dem Schlaf oder Tod erlischt. So zelebriert sie seit über hundert Jahren, dass es kein anderes Bewusstsein geben kann. Sie bleut allen Menschen über die Egostrukturen der Lehrer und der Journalisten ein, dass ein vom Hirn unabhängiges Bewusstsein nicht möglich ist. So ist diese Behauptung zu einer festen Struktur weltweit geworden. Sie wird auf allen Ebenen wiedergekaut. Wer das Gegenteil behauptet verliert seine Glaubwürdigkeit und wird bekämpft oder lächerlich gemacht. Da die meisten Menschen das Gegenwartsbewusstsein der eigenen Individualität aus eigener Erfahrung nicht kennen, glauben sie mit der Zeit das Mantram “mein Gehirn denkt”. Sie sehen ja auch die Beweise dafür. Nach einer Gehirnverletzung kann das Denken gestört sein. Nach genügend langer Zeit “glaubt” man nur noch an ein göttliches Bewusstsein nach dem Tod. Man weiss nicht mehr, dass das Gegenwartsbewusstsein wirklich existiert. Viele geistigen Lehrer erklären oft das ewige Bewusstsein mit Hilfe der eigenen Egostruktur. Sie stellen das Leben nach dem Tod wie ein “verdünntes” irdisches Leben dar. Nun schnappt die Falle zu. Das Egostrukturdenken kann diese Argumente als Wunschdenken entlarven und hat in dieser Beziehung recht. Denn das Bewusstsein nach dem Tod ist das Gegenteil des irdischen Bewusstseins. Es ist unser Gegenwartsbewusstsein, das wir schon auf Erden durch innere Aktivität und gegenwärtig Werden erleben können. Übe ich mich nicht schon als irdischer Mensch im neuen Bewusstsein zu leben, vergesse ich auch meine ewige Individualität oder verwechsle meine Egostruktur mit ihr.

Alle Formen – Gefühls-, Gedanken-, Handlungs- und physische Formen – sind Vergangenheit.

Wenn wir von Formen sprechen, denken wir sofort an materielle Formen wie: Kristalle, Felsen, Würfel, Autos, Pflanzen, Tiere usw. Immer wiederkehrende Gedanken-, Emotions- und Handlungsmuster sind auch Formen. Es sind Formen im immateriellen Vergangenheitsfeld. Jede Form, ob materiell oder immateriell, zeigt uns das Ende eines Formbildungsprozesses. Der Formbildungsprozess ist gegenwärtige Aktivität, die ihr Ende in der Form findet, egal, ob die Form im Materiefeld oder im seelischen Vergangenheitsfeld sich zeigt. Der Ursprung jeder Formbildung ist eine lebendige Idee im G-Feld, die sich in den Vergangenheitsfeldern “auskristallisiert”. So sind Gedanken-, Emotions- und Handlungsmuster “auskristallisierte” Formen, die unsere Egostruktur oder unseren Autopiloten bilden. Sie sind ein Wiederaufleben der Vergangenheit in der Gegenwart. Es sind Prozesse, die aus der Vergangenheit kommen. Sie werden von den Gehirnstrukturen gesteuert, sind also materieabhängig. Wenn sie wirken sind wir nicht frei. Freiheit ist nur möglich, wenn der Impuls zur Handlung durch innere Aktivität, in klarem Bewusstsein, aus dem G-Feld geholt wird. Nur das formlose G-Feld lässt den Menschen frei. Im Wirken der Vergangenheitsfelder gibt es keine Freiheit.

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