Archive for März, 2008

Die Leben spendenden Kräfte des voll entwickelten Deltas

Die helle, kalte Seite des Delta Bewusstseins ist der absolut notwendige Schritt, um vom Vergangenheitsbewusstsein zum lebendigen, warmen Gegenwartsbewusstsein zu kommen. Ins warme, lebendige Gegenwartsbewusstsein kommt der Mensch nur, wenn er den Weg der postbiologischen Evolution geht. Automatisch erlangt man das volle Delta Bewusstsein nicht. Es braucht den bewussten Willen des Menschen, sich zu zentrieren und mit den Kräften der liebevollen Aufmerksamkeit die kalten Wahrnehmungen der Emotions- und Gedankenstrukturen zu durchdringen. Der Mensch muss mit seinen Willenskräften den Schritt ins Gegenwartsfeld machen, indem er seinen Blick von den übermateriellen Vergangenheitsstrukturen ins Gegenwartsfeld lenkt. Im Gegenwartsfeld wirken die Qualitäten des vollen Delta Bewusstseins: liebevolle Aufmerksamkeit und Freiheit. Wenn der Mensch mit seiner inneren Aktivität ins Gegenwartsfeld eintritt, kommt ihm aus dem Gegenwartsfeld die unendliche Kraft der Liebe und Freiheit entgegen. Sie wird für ihn die unerschöpfliche Quelle, von der er immer trinken kann, wenn er seine eigene Liebesfähigkeit erschöpft glaubt. Immer neues Leben strömt ihm zu.

Wenn wir mit dem warmen Teil des Delta Bewusstseins mit der gleichen hellen Wachheit auf die Schwächen der Menschen oder die eigenen Schwächen blicken, leiden wir mit den Anderen mit. Wir sind ja eins mit ihnen, da sich ihr Delta mit unserem Delta im Gegenwartsfeld befindet. Die Schwäche des Mitmenschen macht auch mich betroffen. Ich fühle mich als Glied der ganzen Menschheit. Mein Herz fühlt, was mein Gehirn denkt. Brutale, kalte Gedanken aus den Strukturen verletzen mich selbst, auch wenn sie aus meiner eigenen Egostruktur kommen. Um in diesem Bewusstsein zu bleiben, ist eine stetige Wachheit nötig. Liebevolle Aufmerksamkeit setzt eine innere Arbeit voraus, die mich stetig im Gleichgewicht hält. Ich muss mich im Umkreis fühlen und mich mit der „Substanz“ der Liebe, die den Umkreis erfüllt, vereinigen, um die zerstörerischen Kräfte, die aus dem Zentrum der Egostruktur aufsteigen, willentlich zurückdrängen zu können. Ebenso muss ich die Fähigkeit entwickeln, Liebeskräfte aus dem Gegenwartsfeld in die Vergangenheitsstrukturen einströmen zu lassen, damit die den Menschen behindernden Strukturen im gegenwärtigen Sein aufgelöst werden.

Menschen, die immer wieder in Freiheit ihr volles Delta Bewusstsein aktivieren, werden in Zukunft Gemeinschaften bilden, in denen Freiheit und Liebe gelebt werden. Man akzeptiert die Freiheit des Mitmenschen. Jeder weiss durch sein eigenes Erleben, dass sich alle im Gegenwartsfeld „durchdringen“ und dadurch in den Punkten, die für jedes menschliche Leben wesentlich sind, übereinstimmen. Die individuellen Verschiedenheiten werden gegenseitig toleriert und tragen zur Vielfalt im irdischen Leben bei. So werden sich ganz neue soziale Fähigkeiten zeigen. Der einzelne Mensch fühlt sich als individuelles Glied in der Menschheit. Er geht nicht im allgemeinen Gegenwartsfeld auf. Denn das volle Delta Bewusstsein ist immer ein individuelles, menschliches Bewusstsein, das als Teil des universellen, göttlichen Bewusstseins erfahren wird. Jede Form von Rassismus wird dann überwunden sein. Die antisozialen Triebe des kalten Teils des Delta Bewusstseins werden auf diese Weise in einem dynamischen Gleichgewicht gehalten. Sie sind nötig zum physischen Überleben, müssen aber durch die Kraft der Liebe ausgeglichen werden.

Dieses allgemeine Prinzip gilt auch für die neuen Lebenskräfte, die in die Pädagogik einfliessen müssen. Die vier deltadynamischen Leitsätze sind Hinweise und Aufforderungen an jeden Menschen, sein beginnendes Delta Bewusstsein mit seinen Liebeskräften oder mit seiner liebevollen Aufmerksamkeit zu durchdringen. Ebenso sind sie eine Aufforderung Herr seiner Emotionen und Gedankenstrukturen zu werden, mit vollem Bewusstsein das Leben zu fördern und als echter Mensch immer neu beginnen zu können.Delta Dynamik ohne Liebeskräfte eingesetzt, ist falsch verstandene Delta Dynamik. Diese kann zu einem unmenschlichen Werkzeug werden, das noch mehr zur Manipulation und Unfreiheit der Menschen beiträgt als alles bisher Bekannte. Mit Aufmerksamkeit ohne Liebe kann man den Anderen noch tiefer verletzen als mit dem Alltagsbewusstsein.

Da die Freiheit das höchste Gut des Menschen ist, muss man jeden Einzelnen die Entscheidung selbst treffen lassen, ob er diesen Weg der inneren Aktivität, des permanenten Neuanfangs und der Liebe gehen will.

Das Vakuum zwischen Tod und neuem Leben

Wenn man den ersten Schritt ins Delta Bewusstsein mit innerer Aktivität verstärkt, braucht es eine intensive innere Arbeit, um zum vollen Delta Bewusstsein zu gelangen. Verstärkt man seine innere Arbeit nicht, fühlt man sich unter dem gelben Hut sehr bewusst und kann sich selbst und die Strukturen der Anderen durchschauen. Gelingt es nicht durch den Nullpunkt des kalten Delta Bewusstseins zu gehen und in die Sphäre des warmen, liebevollen Delta Bewusstseins zu gelangen, fühlt man sich einsam. Man beginnt die Anderen als „Schlafmützen“ zu verachten und regt sich über die Schwächen der Menschen auf. Wenn man jetzt nicht aktiv an der eigenen Liebesfähigkeit arbeitet, indem man durch den Nullpunkt hindurch geht und mit innerer Kraft aus dem Umkreis seine Egostruktur liebevoll durchdring, wird man ein Mensch, der sich aus der Gemeinschaft ausklinkt und als kritischer, leidender Betrachter der Welt lebt. Man muss selbst die Kräfte beitragen, die eine neue Gemeinschaft bilden können. Man kann nicht mehr in schon bestehende Gemeinschaften eintreten und dort ein soziales Netz finden, das ohne den Beitrag eigener sozialer Fähigkeiten funktioniert.

In diesem Zwischenzustand wandelt man in einer Welt der Einsamkeit, des Leidens und des Zorns. Man überschätzt sich selbst und fühlt nicht, dass man selbst an diesem Zustand schuld ist. Man ist dezentriert und steht „neben den Schuhen“. Man lebt auf der Erde und hat gleichzeitig von ihr Abschied genommen. Man sieht das Leben aus Distanz und will und kann nicht eingreifen. Solange man glaubt, dass die andern schlafen und nicht merkt, dass man selbst den zweiten Schritt im Delta Bewusstsein nicht gegangen ist, bleibt man in diesem Zustand, der zwischen Tod und Leben liegt.

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Die Todeskräfte im aufkeimenden Delta Bewusstsein

Die biologische Evolution hat unseren physischen Leib entwickelt. Dieser physische Leib gibt die Grundlage für unser seelisches Leben ab. Das Leben hat sich vom Bewusstsein des schwarzen Huts (Mineralbewusstswein) zum Bewusstsein des grauen Huts (Schlaf- oder Pflanzenbewusstsein), des roten Huts (Traum- oder Tierbewusstsein), des grünen Huts (Wach- oder Gegenstandsbewusstsein) und zum Bewusstsein des gelben Huts (Delta Bewusstsein, Gegenwartsbewusstsein) entwickelt. Alle Bewusstseinsstufen sind im Menschen vorhanden. Sie überlagern sich. Wenn der Mensch den roten Hut trägt, lebt er im Traum- oder Tierbewusstsein. Ohne Klarheit woher und warum tauchen Emotionen aus den Tiefen der Seele auf und reissen den Menschen mit. Er wird zu Handlungen getrieben, die keine rationale Basis haben. Im Nachhinein bereut er sie oft. Der Mensch folgt seinen Trieben und erlebt Freud und Leid. Er wird von den Wogen seiner Emotionen hinauf und hinab getragen. Er kann im Sturm der Gefühle unter gehen oder sich durch die ordnende Kraft seiner Gedanken aufs Land des Wachbewusstseins retten. Nun trägt er den grünen Hut. Dieser entspricht dem Wach- oder Gegenstandsbewusstsein. Der Mensch ist ein vernunftbegabtes Wesen geworden, das seine Gefühlswelt ordnen kann. Er kann analysieren, weshalb ihn seine Emotionen überschwemmen, er kann die Welt und ihre Erscheinungen betrachten. Er sieht die Gegenstände klar umrissen. Ist ein Objekt klar erkannt, kann es ihn nicht mehr ängstigen. Die erkannten Objekte lassen sich wissenschaftlich einordnen, untersuchen und zu unserem heutigen rationalen Weltbild arrangieren. Da unter dem grünen Hut aber noch der rote Hut versteckt ist, wird diese klare Weltsicht immer wieder durch halbbewusste Emotionen gestört. Die wilden, aufs eigene Überleben ausgerichteten Triebe verleiten den Menschen immer wieder sein Denken in den Dienst des roten Huts zu stellen. Dann erleben wir einen Menschen, der mit intelligenten Argumenten egoistische Handlungen rechtfertigt. Wir erleben einen Menschen, der seine Gegner mit zynischen Bemerkungen im Wortgefecht ausschalten und lächerlich machen will. Die kühle, rationale Analyse wird durch die Emotionen, die aus der Schicht des Traumbewusstseins aufsteigen, egoistisch verfälscht. Die Objektivität wird zu einer vom Intellekt getarnten Subjektivität.

Das Bewusstsein des roten Huts entspricht der ersten Schicht der Seele. Sie hat nach heutiger Erkenntnis ihre physische Grundlage im Emotionalgehirn.

Das Bewusstsein des grünen Huts wird physisch durch das Grosshirn gebildet. Es entspricht der zweiten Schicht der Seele.

Nun können wir am Anfang der postbiologischen Evolution entdecken, dass wir noch eine dritte Seelenschicht besitzen. Sie befindet sich räumlich gesprochen am Übergang vom Leib zum Geist. Den leiblichen Teil, den Gehirnteil, kann man mit dem gelben Hut bezeichnen. Ins Bewusstsein des gelben Huts spielen die Schichten des roten und grünen Huts hinein, da der gelbe Hut über den roten und grünen Hut gestülpt ist. Die altbekannten Schichten bleiben im Bewusstsein des gelben Huts vorhanden. Der Blick auf die vom Leib getragenen seelischen Phänomene ist ungetrübt und wird sogar noch heller. Der gelbe Hut ist die Seelenschicht des Delta Bewusstseins. Als neues Bewusstsein erfasst es die Mehrheit der heutigen Menschheit. Der einzelne Mensch besitzt ohne bewusste Arbeit an sich selbst kein Bewusstsein des gelben Huts. Das neue Delta Bewusstsein ist zuerst eine Gabe der biologischen Evolution, es entfaltet sich ohne Zutun des Menschen, es hat seine leibliche Basis im Frontallappen. Im zweiten Schritt muss es vom einzelnen Menschen individuell ergriffen und weiterentwickelt werden, sonst wird der Mensch durch den gelben Hut antisozial. Er „sieht“ mit Bewusstsein des gelben Huts die Egostrukturen – die Emotionen und Gedankenformen – des Andern. Er kann nun mit vollem Bewusstsein die Schwächen des Andern durchschauen. Da er im ersten Schritt oft nur das Bewusstsein vom grünen und roten Hut durchschaut und auch von diesem Bewusstsein erfüllt ist, kann er „selbstgerecht“ die Schwächen des Andern verurteilen oder benützen, um seine egoistischen Anliegen durch zu setzen.

Extreme Erscheinungen zeigen oft ADS-Kinder. Diese haben das Bewusstsein des gelben Huts als natürliche Anlage gut ausgebildet. Sie können die fremden Emotionsstrukturen fühlend erkennen und  Gedankenformen „ablesen“. Die so wahrgenommenen Schwächen und Stärken ihrer Mitmenschen werden oft mit einer lieblosen Klarheit formuliert und können sehr verletzend wirken. Nehmen diese Kinder ihre eigenen Schwächen ebenso klar wahr, können sie so verzweifelt sein, dass sie sich das Leben nehmen wollen. Die Brutalität, die sie nach aussen zeigen können, wenden sie teilweise auch nach innen und zerstören sich selbst. Was bei den ADS-Kindern in Erscheinung tritt, betrifft jeden modernen Menschen, der durch den gelben Hut erste Schritte ins Delta Bewusstsein macht.

Die Bewusstseinsstufen des gelben, grünen und roten Huts sind von der Natur gegeben. Sie haben ihre Basis im Emotionalhirn, im Grosshirn und Frontallappen. Das neuste Bewusstsein ist die erste Stufe des Delta Bewusstseins, das Bewusstsein des gelben Huts. Bleibt man auf dieser Stufe stehen, d.h. will man den Schritt in die postbiologische Evolution nicht machen, besitzt man ein helles, kaltes Bewusstsein von den Emotions- und Gedankenstrukturen der Anderen und sich selbst. Dies kann den Menschen zu noch grösseren antisozialen Taten führen, als mit dem Bewusstsein des grünen Hutes. Der Mensch kann dann noch zerstörerischer gegenüber seiner Umwelt oder gegenüber sich selbst wirken: Im Extremfall vernichtet er seine Umwelt oder sogar sich selbst. Mit der kalten Klarheit des gelben Hutes bringt er Todeskräfte in die Welt. Er durchschaut seine toten, aus der Gegenwart heraus gefallenen, Strukturen und kann sie noch zerstörerischer einsetzen.

Alle Werkzeuge, die heute entwickelt werden, um Betriebe besser zu strukturieren, um im Seelischen des Menschen „Ordnung“ zu machen (z.B. Feedbackinstrumente, Führungsinstrumente und dergleichen) verstärken die Todeskräfte auf der Erde, wenn der zweite Schritt des Delta Bewusstseins nicht gemacht wird, der neues Leben in die Menschheit einfliessen lässt. Die verstärkten Todeskräfte zeigen sich nicht nur in Extremfällen wie im Klimakollaps, den überall schwelenden und offen ausgetragenen Kriegen und der hohen Suizidrate in den reichen Ländern. Ein Zeichen ihrer Wirksamkeit ist auch die Vereinsamung und Vereinzelung der Menschen. Die alten Gemeinschaften werden zerstört. Im kalten Delta Bewusstsein kann man mit seinen antisozial wirkenden Kräften nicht sozial wirken. Die Todeskräfte breiten sich weiter aus.

Wie kann man nun den zweiten, wichtigen Schritt ins helle und warme Delta Bewusstsein machen?

Weshalb braucht es die Delta Dynamik für immer mehr Kinder?

Grundsätzliche Überlegungen zur Pädagogik

Nach der 68- Eltern- und Lehrergeneration und den darauf folgenden Reformen der Schule sind wir in eine neue Phase der Pädagogik eingetreten. Viele Eltern und auch Lehrer sehnen sich wieder nach einem Erziehungs-Stil mit klaren Regeln, die von den Erwachsenen gesetzt werden. Bei grossen Schwierigkeiten werden wieder vermehrt Erziehungscamps nach militärischem Vorbild empfohlen, in denen die Jugendlichen lernen, sich den Lagerregeln unterzuordnen. Dies wird meistens mit gnadenloser Disziplin, körperlichen Höchstleistungen und unerbittlichen Konsequenzen erreicht.

Sind die Schwierigkeiten nicht so gross, erreicht man heute viel, wenn man mit den Jugendlichen Verträge abschliesst, die sie begreifen und mitgestalten können.

Bei der militärischen Methode diszipliniert man das wilde oder faule „Tier“ im Menschen. Mit den gemeinsam verfassten Verträgen spricht man die Vernunft im Jugendlichen an.

Welche Methoden setzt man jedoch bei Jugendlichen ein, die äusserst sensibel und empfindlich reagieren und mit Härte seelisch vollkommen zusammenbrechen würden? Was für Massnahmen kann man anwenden, wenn die Jugendlichen in unseren „vernünftigen“ gesellschaftlichen Regeln keine lebenswerte Basis mehr sehen? Lassen wir diese Jugendlichen auf der untersten Ausbildungsstufe „absumpfen“ oder gibt es eine andere Methode?
Diese zuletzt erwähnte Gruppe nimmt jedes Jahr mehr zu. Die verschiedenen Spielarten der ADS-Kinder, magersüchtige, depressive und suchtanfällige Jugendliche und Jugendliche mit Hochbegabungen bilden einen grossen Teil dieser Gruppe. Vielfach kann man auch gar nicht mehr genau definieren, zu welcher Gruppe ein Jugendlicher zuzuordnen ist. Man kann nur sagen, dass diese Jugendlichen auch klare Strukturen brauchen und ebenfalls auf der Ebene der Vernunft angesprochen werden müssen. Unbewusst verlangen sie jedoch noch weitere Ebenen der Begegnung von den Erwachsenen.

Diese Kinder und Jugendliche kommen aus jeder Gesellschaftsschicht. So lassen sich diese Phänomene nicht nur mit schlechter Erziehung und schwierigem sozialen Umfeld erklären. Es sind junge Menschen, die nicht nur auf der in jedem Menschen wirkenden „Tierebene“ durch Dressur oder auf der gesellschaftlich, konventionellen Ebene durch Vernunft angesprochen werden wollen. Sie sehnen sich, zuerst unbewusst, als volle Menschen erkannt und angesprochen zu werden.

Die wichtige Erkenntnis zur Lösung unseres Erziehungsproblems Anfang des 3. Jahrtausends haben schon Pestalozzi und der immer noch unbekannte schweizer Arzt Troxler, ein Zeitgenosse Pestalozzis, in ihren Schriften vertieft. Pestalozzi sprach von den drei Zuständen des Menschen. Er sah im Menschen den Naturzustand und den gesellschaftlichen Zustand wirken. Die Natur oder modern gesagt, die Evolution, haben den Menschen zum höheren Säugetier gemacht. Die Gesellschaft „erzog“ den Menschen zum nach den Regeln der Vernunft handelnden Menschen. Das „Produkt“ aus Natur und Gesellschaft bezeichnet die Wissenschaft heute im englischen Sprachraum als human animal. Für diese Stufe des Menschseins ist dies ein korrekter Ausdruck. Die oben erwähnten Erziehungsmethoden sprechen den Naturzustand und gesellschaftlichen Zustand Pestalozzis an und erreichen den Menschen als vernunftbegabtes höheres Tier.

Was braucht es heute zusätzlich, um den Menschen zu motivieren und nicht abstürzen zu lassen? Dazu muss man sich mit der Idee des dritten Zustands, dem Menschenzustand, vertraut machen. Es ist der Zustand, in dem sich der eigentliche Mensch und nicht nur das human animal zeigt. Weder die Natur noch die Gesellschaft können diesen letzten Zustand erzeugen. Er ist nur von jedem Menschen individuell durch eigene innere Aktivität zu erreichen. Nur der Mensch kann sich zum Menschen machen!

Als Arzt zeigte damals I.P.V.Troxler 1auf, dass im Menschen nicht nur die materielle Ebene, sondern vier Ebenen des Seins wirksam sind. Er richtete seinen Blick auch auf die geistige Ebene des Menschen und legte damit den naturwissenschaftlichen, nicht materialistischen Grundstein zu Pestalozzis Menschenbild.

In der Delta-Dynamik habe ich den Versuch unternommen, diese nun schon 200 Jahre alten Erkenntnisse in der Praxis anzuwenden und zu vertiefen. Die vier Leitsätze der Delta-Dynamik sind das Werkzeug, das ich im Laufe meiner 30-jährigen Berufspraxis als Lehrer, vor allem aber in den letzten Jahren als Schulleiter der Delta Schule, geschaffen habe.

In den vier Leitsätzen habe ich durch eigene Beobachtung die vier Daseinsebenen, von denen schon Troxler sprach, gefunden. Sie stellen die Gesetze, die im ganzen Menschen wirken, dar.

Die Delta-Dynamik ist nur ein Werkzeug, das vom Menschen eingesetzt werden muss, um im Leben etwas zu bewirken. Das eigentlich „Werkzeug“, das in der Praxis konkret helfen kann, ist jeder Mensch, der sich durch eigene innerer Aktivität zum deltadynamischen „Werkzeug“ ausbildet. Die Leitsätze und die andern deltadynamischen Tools dienen der Bewusstmachung der Jeweiligen Situation. Ohne Bewusstsein kann man auch nicht gezielt handeln. Handeln entsprechend seinen Erkenntnissen ist normalerweise sehr schwierig. Der Wille, den es braucht, seine Erkenntnisse im Leben umzusetzen, muss auch geschult und geübt werden. So sind die deltadynamischen Tools ausserdem noch ein Hilfsmittel, das uns den Handlungswillen verstärken hilft.

Für das deltadynamische Eingreifen stehen uns keine technischen Apparate zur Verfügung. Es wirkt der Mensch, der in der postbiologischen Evolution sich selbst zum Menschen macht, indem er sein Bewusstsein zum Delta Bewusstsein und seinen unbewussten Willen zum bewussten Delta Willen verwandelt.

1 In der von der Bildungsdirektion des Kantons Zürich  gestellten und prämierten Arbeit: Vom Erziehungs- und Bildungsauftrag der Volksschule -Heute und Morgen- habe ich die 4 Ebenen, die schon Troxler im 19. Jahrhundert erkannt hat, beschrieben. Die Arbeit ist unveröffentlicht, kann aber vom Autor bezogen werden.

Beispiel aus der Praxis: Ungeduldiger Machtmensch

Unser intellektueller „Fallensteller“ hat sich kurz nach der Lösung der „Fallenproblematik“ zum ungeduldigen Machtmenschen verwandelt. Er wollte im Musikunterricht sofort einen Negrospiritual mit der Klasse singen. Als ich ihm antwortete, er müsse sich gedulden, denn das von ihm gewünschte Lied sei im Weihnachtsheft abgedruckt und passe im Moment nicht in mein Konzept, wurde er ungeduldig. Er murmelte so laut, dass ich und die Klasse es verstehen konnten: „ Er wird es sowieso vergessen.“ Und kurz darauf: „ Er hat sicher das Weihnachtsheft verloren.“

Deltadynamische Analyse:

Nun hat Xerxes seine andere Seite durchblicken lassen. Im letzten Erlebnis – Fallenstellen – hat er gelernt, dass der offene Kampf nicht zu einem Sieg führt. So versucht seine schlaue Egostruktur den Weg der unterschwelligen Machtausübung. Sie will ihren Willen sofort durchsetzen und benutz dazu das Mittel der fast unhörbaren Drohung. Man erkennt, dass es eigentlich die Art des „Fallenstellers“ ist, die nicht mehr den offenen Kampf sucht. Xerxes lässt das Ende offen. Gehe ich auf seinen Wunsch, der eigentlich ein versteckter Befehl ist, nicht ein, hat er das Gift in die Klasse geträufelt, dass der Lehrer entweder vergesslich (senil) ist oder sein Unterrichtsmaterial verloren hat. Handle ich sofort, um ihm zu beweisen, dass ich nicht senil bin und kein Chaos in meinem Kasten habe, hat er seinen Egowillen durchgeboxt. Gemäss seiner Egostrukturlogik kann er nur gewinnen. Er ist auch nicht angreifbar, da er seine leisen Bemerkungen abstreiten würde, wenn man ihn darauf ansprechen würde.

Deltadynamisches Handeln:

Im Moment, als Xerxes seinen Wunsch äusserte, wurde ich innerlich aktiv. Ich durchdrang meine Egostruktur mit meinem Delta-Bewusstsein. Ich wusste sofort, wie seine Strukturen beschaffen waren. Ich „sah“ seine leise gemurmelten Bemerkungen schon im Voraus. So konnte ich ohne zu Überlegen meinen Entscheid treffen. Mir wurde blitzschnell klar, dass Xerxes die Schwächen meiner Egostruktur kannte. Im Laufe einer Singstunde ist man als Lehrer so vielen „Reizen“ ausgesetzt, dass man einen Schülerwunsch vergessen kann. In meinem Singkasten herrscht wirklich ein für mich geordnetes Chaos. Ich entschied mich, am Ende der Singstunde, das Weihnachtsheftchen zu verteilen und den Spiritual singen zu lassen. Ausserdem wusste ich, dass ein Vergessen dieses Wunsches katastrophal wäre. So führte ich, wie geplant, meine Singstunde weiter, hatte jedoch unsichtbar für die Schüler mein Bewusstsein auf den Spiritual ausgerichtet. Am Schluss der Stunde verteilte ich das Weihnachtsheftchen – ich hatte es sofort gefunden – und liess den von Allen geliebten Spiritual singen.

Analyse des deltadynamischen Handelns:

Als Xerxes seinen Wunsch äusserte, hob ich mich sofort ins Delta-Bewusstsein. Dadurch strahlte ich eine liebevolle Aufmerksamkeit aus. Ich stellte dem Ego-Willen von Xerxes meinen Delta-Willen entgegen. So habe ich mich dem aggressiven Ego-Willen von Xerxes nicht unterordnet und habe doch noch alle Türen offen gelassen einen für alle gewünschten Spiritual zu singen. Mein Delta-Wille entspannte die Situation sofort. Xerxes blieb ruhig. Äusserlich hätte ich nicht mehr auf ihn eingehen müssen. Da ich in dieser Situation den Wunsch von Xerxes ernst nehmen wollte und auch wusste, das der Spiritual von der ganzen Klasse gern gesungen wurde, liess ich ihn am Schluss, als es in die Abfolge meiner Lieder passte, singen. Ich wendete ganz bewusst den Leitsatz 3 an. Denn mir war klar, dass ein Vergessen des Wunsches Xerxes bestätigt hätte. Die ganze Singstunde war vom Leitsatz 4 getragen. Ich handelte nach dem Grundsatz: „Ich bestimme die Situation“. Ich liess mir den fremden Ego-Willen von Xerxes nicht aufdrängen. So konnte ich die Singstunde für alle befriedigend gestalten und musste keinen Kampf mit Xerxes austragen der dazu geführt hätte, dass ich oder Xerxes gesiegt hätte. Das Ziel wurde ohne seelische Gewalt erreicht. Xerxes äusserte sich nicht mehr. Er hatte erfahren, dass es noch andere Wege im Umgang miteinander gibt, die nicht auf den Kampf der Egostrukturen hinauslaufen und das soziale Leben fördern. Somit kam auch der 2. Leitsatz zur Anwendung. Der 1. Leitsatz, um die automatischen Reaktionsmuster, die Angst vor Gesichtsverlust und meine Aggressionen gegen Xerxes im Keim zu ersticken, um die weiteren Leitsätze anwenden zu können.

Weil man in jeder Lage seinen ganzen Menschen, jede Ebene des Seins, einbringen sollte, findet man in der Analyse der Problemlösung immer alle Leitsätze. Bei der oben geschilderten Situation war der 4. Leitsatz der wichtigste. Er führt immer dann zum Erfolg, wenn ein fremder Ego-Wille sich durchsetzen will. Falls man ihn richtig, d.h. begleitet von den andern Leitsätzen, anwendet, erlebt man, dass die geistige Ebene immer mächtiger ist, als die materiegesteuerte Egostruktur-Ebene. Dies gilt auch bei sich selbst.

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