Archive for Juli, 2008

2. Übung: Selbstbestimmtes Handeln

Als zweite Übung folgt nach der Schulung des Denkens und Wahrnehmens das klare, nicht von aussen bestimmte Handeln. Ich bleibe noch im Bereich des Materie-Felds. Denn wenn ich handle setze ich Prozesse im Materie-Feld in Gang, d.h. ich bewege meine Glieder. Die Übung besteht nun darin, dass ich nicht von aussen bestimmt werde. Ich handle nicht, weil mir jemand einen Befehl gibt oder weil mich undurchschaubare Emotions- oder Gedankenmuster antreiben. Ich handle, weil ich es so will. Deshalb muss ich mir eine Handlung vornehmen, die im Alltag keinen Sinn macht. Ich nehme mir z.B. vor, um 11 Uhr den Wasserhahn aufzudrehen und wieder abzustellen. Ich lasse um 15 Uhr einen Stift fallen und hebe ihn wieder auf. Ich zerzause um 18 Uhr mein Haar und kämme mich danach wieder. Man kann beliebig Beispiele erfinden. Wichtig ist, dass sie keinen Sinn machen und dass ich sicher bin, dass der Impuls zur Handlung von mir selbst kommt. Wenn ich um 16.30 Uhr zum Kühlschrank gehe und ein Joghurt esse, kann ich nicht sicher sein, woher das Motiv kommt. Es könnte ja ein Emotionsmuster sein, das die Befriedigung im Essen sucht.
Die Willensschulung hilft mir, wenn in den Feldern verführerische Stimmen ertönen, dass ich meinen eigenen Weg gehen kann und mich nicht ablenken lasse. Ich kann mich ja nicht wie Odysseus an den Mast des Schiffes binden lassen, um den Sirenen widerstehen zu können.

Die fünf Stabilisierungsübungen: 1.Übung: Klares Denken

Um mein Deltagramm stabilisieren zu können, muss ich nun mit dem Licht des Gelben Hutes in den Bereich meines physischen Körpers gelangen. Der Teil des Körpers, der mir mein Alltagsbewusstsein ermöglicht, ist das Gehirn. Seine Strukturen gehören zum Komplexesten im Universum. Diese Strukturen geben mir eine wichtige Stütze, wenn ich sie ihren inneren Gesetzen gemäss benutze. Was heisst dies konkret? Ich muss mich schulen, der physischen Wirklichkeit gemäss zu denken und wahrzunehmen. Ich muss vermeiden, dass Emotionen und Vorurteile aus dem Rothut- und Grünhutbereich meinen Gedanken und Wahrnehmungen einen phantastischen Charakter verleihen.
Ein Beispiel: Ich beobachte einen einfachen Gegenstand, zum Beispiel ein Wasserglas. Nun beschreibe ich exakt, was ich sehe. Ich erlaube mir keine Spekulationen. Ich knüpfe nun Gedanke an Gedanke zum Thema Wasserglas. Ich beschreibe innerlich seine Form, das Material und seinen Verwendungszweck. Ich beschreibe (ev. mit Hilfe eines Fachbuchs) jeden Schritt, der zur Produktion des Glases nötig ist. Wichtig sind die logische Folge der Prozesse und die exakte Wahrnehmung. Ich darf mir keine Spekulation erlauben, sonst verliere ich schon im Physischen den Boden unter den Füssen. Es geht nicht um die Vermehrung von Wissen, sondern um ein folgerichtiges Denken und Wahrnehmen, das sich an den Fakten der physischen Welt orientiert.
Die Schulung in Mathematik ist auch ein gutes Werkzeug, um sein Denken innerlich stimmig zu halten. Die Schulung des klaren, folgerichtigen Denkens und Wahrnehmens soll uns helfen, bei der Beobachtung in den Feldern ebenso exakt und ohne Fantasterei zu bleiben wie im sinnlichen Leben.

Achtsamkeitsmeditationen mit der 1. Aufmerksamkeitsstufe

Achtsames Wahrnehmen der Sinneswelt:

Wenn wir nicht mehr passiv „glotzen“ (dies steht stellvertretend für alle Sinnesprozesse), sondern mit innerer Aktivität der Stufe 1 oder mehr die Sinneswelt beobachten, erleben wir die Wahrnehmungen nicht mehr als von aussen gegeben. Dank unserer Delta Aktivität sind wir uns im Klaren, dass unser Delta zur Wahrnehmung ebenso nötig ist, wie die Sinnesreize, die unsere Sinnesorgane erfassen. Die Sinneswelt wird von uns als materiell erscheinende Welt erlebt. Wir wissen aber, dass sie durch die Wechselwirkung der nicht materiellen Vergangenheitsfelder und dem menschlichen Delta, das seinen Ursprung im nicht materiellen Gegenwartsfeld hat, so erscheint, wie wir sie erleben. Im achtsamen Wahrnehmen eines Waldes erleben wir nach einer gewissen Zeit, die aufbauenden Kräfte, die im Sinnesteppich verborgen auf uns wirken.

Achtsames Wahrnehmen unseres Denkens:

Wenn wir nun den Gedankenroboter nicht automatisch ablaufen lassen, sondern achtsam unseren Denkprozess beobachten, können wir Folgendes feststellen:
• Beim Denken sind wir wach. Wir durchschauen alles, was wir denken oder realisieren, dass gewisse Gedanken im Nebel verschwinden. Dann wird unser Bewusstsein Richtung Traum abgedämpft und wir können nicht mehr vom bewussten, klaren Denken sprechen.
• Wir müssen mit der Aktivität unseres Deltas die Gedanken „schöpfen“. Der Gedankeninhalt ist jedoch auch ohne unser Zutun gegeben.
• Jeder Gedanke ist in einem unendlichen Begriffsgeflecht mit allen anderen Begriffen verbunden. Mit unserer Delta Aktivität können wir immer tiefer in diesen Zusammenhang eindringen, können ihn jedoch nicht verändern.
• Denken ist ein aktiver Prozess, der auch im Normalbewusstsein nur durch die für uns noch unbewusste Delta Aktivität stattfindet. Deshalb können wir selbst entscheiden, ob wir denken, wann wir denken, was wir denken wollen. Dies gibt uns schon im Alltagsbewusstsein einen Vorgeschmack von Freiheit.
• Erst im Delta Bewusstsein wird uns klar, dass man von echter Freiheit erst dann sprechen kann, wenn das Delta aus dem Gegenwartsfeld in den Strukturen bewusst bestimmt, wie es handeln will. Keine unbewussten Handlungs-, Emotions- und Gedankenstrukturen bestimmen unterbewusst die menschliche Handlung.
• Das Gehirn ist nur die physische Struktur, die unser Denken im Sinnlichen unterstützt. Denken als Delta Aktivität ist jedoch eine Bewegung im Gegenwartsfeld. Mit dem Hirn können wir die Resultate dieser Bewegung nachvollziehen.

Achtsames Wahrnehmen unseres Fühlens:

Wenn wir nun den Emotionsroboter nicht automatisch ablaufen lassen, sondern achtsam unseren Emotionsprozess beobachten, können wir Folgendes feststellen:

• Unsere Emotionen steigen wie im Traum aus dem Emotionsmeer auf.
• Wir können unsere Gefühle nicht steuern, wir können sie höchstens wieder abtauchen lassen und nicht verstärken.
• Unsere Gefühle werden durch unser Gehirn bewusst gemacht. Die erste Wahrnehmung berührt unseren Kreislauf und unsere Atmung. (Ein Mensch mit einem warmen Herz. Er hat ihr das Herz gebrochen. Er hat herzlos gehandelt. Es verschlägt mir den Atem) Wenn wir Hirn statt Herz und Atem einsetzen, wird sofort klar, dass unser primäres Gefühlsorgan nicht unser Hirn ist.
• Um Gefühle zu erleben, die nicht als Emotionsstrukturen in den Vergangenheitsfeldern fixiert sind, ist eine Delta Aktivität nötig. Dann können wir echte Liebe oder Vertrauen existentiell erleben. Dies sind dann Gefühle aus den Gegenwartsfeldern, die uns frei lassen und nicht mit Wucht in ihre Abhängigkeit zwingen. Diese machen uns glücklich und zufrieden, nicht süchtig und unglücklich.

Achtsames Wahrnehmen unseres Wollens:

Wenn wir nun den Motorikroboter nicht automatisch ablaufen lassen, sondern achtsam unseren Handlungsprozess beobachten, können wir Folgendes feststellen:

• Unsere Handlungen werden durch unser Gliedmassensystem ausgeführt. Sie werden durch Reflexe, Emotionsmuster und Gedankenmuster gesteuert.
• Wenn unsere Egostruktur bewusst handelt, fühlt sie sich frei und die Handlung kann doch von unbewussten, egoistischen Motiven ausgelöst werden.
• Im Alltagsbewusstsein ist das Motiv einer Handlung unterbewusst. Der Mensch ist ein unfrei handelndes Wesen.
• Im Delta Bewusstsein kann ich meine Motive bewusst aus dem Gegenwartsfeld schöpfen. Ich handle dann frei. Wenn Emotionsstrukturen meine Handlung auslösen. Kann ich diese mit wachem Bewusstsein beobachten. Ich kann dann auch meine Handlung richtig einordnen.
• Da durch achtsame Selbstbeobachtung die freie Handlung als Eingreifen des Deltas aus dem Gegenwartsfeld unter Nichtberücksichtigung der Vergangenheitsstrukturen erlebt wird, können in diesem Fall die motorischen Nerven, die vom Gehirn gesteuert werden, nicht den Impuls zur Handlung geben.
Freies Handeln ist demnach ein direktes Eingreifen des Deltas in das Muskelgewebe des Menschen. Das individuelle Gegenwartsfeld – das menschliche Delta – kann seinen Willen direkt im Vergangenheitsfeld des menschlichen Leibes als Handlung (Bewegung) umsetzen.