Archive for Oktober, 2008

Stoffwechsel und seelisches Bewusstsein wird anders

Ich esse zuerst (2 bis 3 Wochen) nur zum Überleben. Mein Appetit (Eigenwahrnehmung) ist nicht mehr da. Ich magere 6 Kilo ab, ohne es zu merken. Der “Schlauch” wird von aussen ernährt. Ich glaube, dass “Labors” unten angeschlossen sind, die alles untersuchen.

Zuerst geht das Denken weg. Ich habe die „Gedankenmühle“, das „Gedankenkarussell“ nicht mehr. Die Gefühle und die Willensimpulse sind schon lange nicht mehr da. Dafür erscheinen die drei „Kästchen“. Ich bin mir sehr bewusst, dass sie für die Seelenglieder stehen. Sie sind für das Fühlen, das Denken und die bewussten Willensimpulse da. Sie sind unräumlich und unzeitlich und werden von einem ICH – Bewusstsein, das selbst auch nicht im Raum und in der Zeit steht, das selbst nicht einmal als „Kästchen“ in Erscheinung tritt, überlagert.

Es ist ein Gesamtbewusstsein, das höher steht als das Alltagsbewusstsein. Es ist jedoch individuell wie mein Alltagsbewusstsein. Es ist mein Bewusstsein und nicht ein allgemeines Bewusstsein. Es ist wie mein Alltagsbewusstsein – mein Egobewusstsein – persönlich. Im Gegensatz zum Delta Bewusstsein, das ich jederzeit durch das Seelenglied der bewussten Willensimpulse (und Denken des Denkens mit Gefühlen der Liebe und Freiheit) herstellen konnte, ist es von Dauer. Es dauerte so lange, wie ich fast gestorben war. Es war so lange vorhanden, wie ich in den Intensivstationen von Lausanne und Zürich lag. Es war demnach ein bis zwei Wochen vorhanden. Es ist das Delta Bewusstsein, aber es hatte eine Dauer von einigen Wochen. Dieses „Glück“ konnte ich haben, weil ich mein Delta Bewusstsein schon vorher herstellen konnte und weil ich durch die Hirn operation in einer besonderen Situation war (Blut im Gehirnwasser, Grosshirn setzt am Anfang aus.).

Der Tod wäre nichts Besonderes mehr, denn das lange Delta Bewusstsein wäre ja in diesem Falle nicht betroffen. Es war schon unräumlich und unzeitlich. Es lohnte sich im Dreidimensionalen zu leben, weil ich mit 51 zu jung zum Sterben war und ich noch Kinder und Ehefrau hatte. Es war das gleiche Bewusstsein, wie ich es bei einem Autounfall, den ich 5 Jahre früher hatte, schon erlebte. Es lohnte sich zu leben und alles besser zu machen, was ich konnte. Der Tod, obwohl ich gerne lebe, hat nun schon das x-te Mal seinen Schrecken verloren.

Dieses Bewusstsein ist also persönlich. Im Tod bleibt es bestehen, da es sich schon von der Sinneswahrnehmung, der Eigenwahrnehmung, den Stoffwechselprozessen (des Essens) und dem Normalseelischen (mit dem Körper und dem Gehirn verbunden) weitgehend gelöst hat. Es ist unräumlich und unzeitlich geworden. Dies möchte ich nochmals zusammenfassend erwähnen.

Eigenwahrnehmungen gehen weg

Eigenwahrnehmungen gehen. Ebenfalls wird vor und nach der Operation nichts mehr gegessen. Dann werde ich künstlich ernährt (ich muss ja überleben!). Nachher werde ich ernährt mit Gehacktem. Es ist nicht gut. Ich esse nur, dass ich gegessen habe. Ich habe keinen Appetit! Mit der Zeit esse ich wieder neutral. Langsam kommen nun die Selbstwahrnehmungen wieder. Der “Schlauch” geht zurück. Dies dauert einige Wochen.

In dieser Zeit erlebe ich das Bewusstsein ausser Raum und Zeit. Der Körper wird als raumloser “Schlauch” und ausser der Zeit erlebt.

Sinne verschwinden

Nach meiner Operation verschwanden meine wichtigsten Sinneswahrnehmungen. Ich hörte, sah, roch und schmeckte nichts mehr. Ausserdem konnte und kann ich mein Gleichgewicht nicht mehr halten. Ich war ans Bett gefesselt und lag waagrecht ausgestreckt da. Heute sieht man mir von „aussen“ nichts mehr an. Im „innern“ dreht es mich noch immer.
Vom Eigenbewegungssinn, Tastsinn und anderen Sinnen will ich jetzt gar nicht sprechen.

Die Sinne kamen und kommen wieder. Wenn einige Monate vergangen sind, wird auch der letzte Sinn wieder gekommen sein. Natürlich sind die Kästchen und mein permanentes Delta Bewusstsein wieder verschwunden. Wichtig ist mir, zu erwähnen, dass sämtliche Sinne verschwunden waren, mein Bewusstsein ohne Anstrengung jedoch heller als zuvor war.

Diese Beiträge werde ich im nächsten Jahr im 2. Teil des Deltagramms in irgendeiner Form veröffentlichen. Deshalb stehen sie auch unter dem Titel „Deltagramm“.

Hirnschlag im Kleinhirn III

Meine Vermutung, dass die rechte Hirnhälfte nichts mit dem authentischen Selbst von Jill Taylor zu tun hat, wurde mir gleich doppelt bestätigt.

Erstens: Als ich nach drei Monaten mein Abschluss-CT an der Uni-Klinik Zürich machte, bestätigte mir der junge Arzt, dass man meinte, das Kleinhirn sei vorallem für die Grobmotorik zuständig. Er sagte mir, man vermute, dass mindestens linke Bahnen ins Kleinhirn münden. Dies bestätigt meine Beobachtung in den ersten drei Wochen nach der Operation. Mein Körpergefühl schwand, ich hatte keine dreidimensionalen Wahrnehmungen mehr (nach heutiger Meinung alles Ausfälle des linken Grosshirns). Mein Bewusstsein war heller als zuvor. Meine linke und rechte Hirnhälfte waren jedoch intakt, wie zuvor. Trotzdem hatte ich das Bewusstsein meines authentischen Ichs kennen gelernt und hatte Ausfälle, wie wenn die linke Hirnhälfte geschädigt worden wäre. Ich hatte jedoch nur ein gestilltes Blutgerinnsel im Kleinhirn, wo man auch heute noch das alte, eingetrocknete Blut im Computertomogramm sieht, das dazumal gestillt wurde. Sonst sieht mein CT perfekt aus.
Also nochmals: Mein authentisches Ich meldet sich zu Wort, obwohl mein linkes Hirn intakt war. Ich hatte “nur” im Kleinhirn eine Blutungs-Stillung.

Zweitens: Das im Jahr 2007 auf Englisch und im Jahr 2008 auf Deutsch erschienene Buch “Neustart im Kopf” von Norman Doidge (Campus Verlag) zitiert im Kapitel 11 “Mehr als die Summe ihrer Teile – Eine Frau beweist, wie plastisch das Gehirn sein kann” eine Frau, die ohne linkes Hirn auf die Welt gekommen war.

“Ihre rechte Gehirnhälfte muss zudem mit weniger Platz für “ihre” Funktionen auskommen. [...] Bei dieser jungen Frau musste sich die rechte Gehirnhälfte jedoch ganz ohne den Input der linken entwickeln und lernen, allein zu leben und zu funktionieren. [...] Doch ihr Seelenleben ist intakt, sie liest, betet und liebt. [...] Ihr Leben ist ein Beleg dafür, dass das ganze mehr als die Summe seiner Teile ist und dass ein halbes Gehirn nicht einen halben Geist bedeutet,” oder noch krasser ausgedrückt, dass das rechte Gehirn nicht ein Representant des authentischen Ichs (göttliches Ich) ist.