Eine wichtige Frage unserer Zeit
Unter der Voraussetzung, dass sich das Kind möglichst gut entwickeln soll:
Was kann ich vom Kind erwarten? In wie weit kann ich es in den Entscheidungsprozess einbeziehen?
Wann schiebe ich fälschlicherweise die Verantwortung aufs Kind ab, obwohl es eigentlich meine Aufgabe als erwachsene Person wäre, die Situation einzuschätzen und allfällige Entscheidungen zu treffen?
Schon kleine Kinder können gefragt werden, ob sie dies oder das machen wollen. Selbstverständlich können schon fünfjährige Kinder sagen, was sie wollen. Es besteht jedoch immer die Gefahr, dass das Kind den bequemeren Weg wählt oder sich überfordert. Vielfach muss der Erwachsene nur mit einem guten Vorbild vorangehen. Dann folgen ihm die Kinder und überlegen nicht intellektuell, was für sie gut oder schlecht ist. Die Entscheidung des Erwachsenen kann sogar eine Hilfe oder Stütze für das Kind sein. Ein authentisches Vorleben gibt dem Kind das Gefühl von Geborgenheit, Vertrauen und Sicherheit. Damit ist eine der wichtigsten Entwicklungsgrundlagen gewährleistet.
Menschliche Beziehung und Körperentwicklung
Aus vielen Experimenten ist offensichtlich geworden, dass sich der Mensch nicht im eigentlich menschlichen Sinn (Sprechen, aufrechter Gang, …) entwickelt, wenn er nicht eine Beziehung zu anderen Menschen aufbauen kann. Der liebevolle Blick seiner Mutter oder einer anderen Bezugsperson ist ebenso wichtig wie eine gute Ernährung.
Es ist auch Folgendes wesentlich:
Die menschengemässe Körperentwicklung muss im Einklang mit den neuesten naturwissenschaftlichen Erkenntnissen sein.
Es ist jedoch immer ein sensibler Erwachsener nötig, der nicht seinen Egoismus auf Kosten der Kinder ausleben will, sondern zugunsten der Kinder eine für sie gute Lösung sucht. Um zu erkennen, ob der Erwachsene genügend sensibel oder beweglich in seinem Denken ist, müssen die Schritte in der seelisch-geistigen Entwicklung des Menschen bewusst erkannt und erlebt werden. Das Bewusstsein über den Kern oder das Delta jedes Menschen muss bei der erwachsenen Lehrperson vorhanden sein:
Der Erwachsene darf nie vergessen, dass in jedem Kind ein nicht egoistischer Kern steckt, der auch weiser als ein Erwachsener sein kann. Er kann aber nur zur Geltung kommen, wenn der Körper des Menschen lebensfördernd aufwachsen kann.
Dann kann im Erwachsenenalter dieser Kern in Freiheit die Zukunft kreativ mitgestalten. Der Mensch ist dann kein Opfer, sondern Mitgestalter der Zukunft der Erde.
Lebensfördernde Naturgesetze des Körpers
Der physische Körper muss auf vier Ebenen gefördert werden, um ein geeignetes Gefäss oder einen „Wohnort“ zu bilden, damit der Delta- oder Ich-Mensch optimal auf der Erde wirken kann.
Gesetze auf der Ebene I
Der physische Körper braucht Nahrung und Bewegung, damit der Mensch nicht stirbt oder sich schlecht entwickelt.
Gesetze auf der Ebene II
Der physische Körper ist zudem belebt. Das Leben oder das Energieniveau wird durch diverse Rhythmen (Ess-, Schlaf-, Atemrhythmus usw.) gefördert.
Gesetze auf der Ebene III
Der physische Körper ist auch beseelt. Deshalb ist die Pflege des Seelenlebens sehr wichtig.
Das Denken soll geübt werden. Ebenso sind die Gefühle wichtige Elemente in der Seele. Der Kern oder das Delta soll in die Seele „scheinen“ und mit seinem Körper auf der Erde denkerisch und mit Gefühl eingreifen können.
Gesetze auf der Ebene IV
Der physische Körper ist zudem der „Sitz“ des menschlichen Individuums oder Geistes. Der Kern des Menschen entfaltet und entwickelt sich nicht ohne Freiheit. Der Körper darf nicht erstarren und verhärten, damit das Ich oder der individuelle Geist des Menschen wirken kann.
Der physische Körper als Teil der Natur
Der physische Körper erblickt das Licht der Welt durch die Geburt. Damit er sich optimal entwickeln kann, muss der Mensch sich viel bewegen können und gut ernährt werden. Daneben braucht es gute Vorbilder, damit die Kinder sie imitieren können.
Ebenso ist es die Aufgabe der Erwachsenen, verschiedene Rhythmen wie den Lernrhythmus, den Essrhythmus bewusst zu pflegen und auf die Gefühle, die bei den Interaktionen der Kinder entstehen, zu achten, damit die Kinder gestärkt werden. Zum Teil kann mit den Kindern schon über die Gefühle gesprochen werden. Die Kinder könen dahingehend veranlasst werden, ihre Gefühle achtsam so entstehen zu lassen, dass ihre Beziehungen sich vertiefen.
Es ist z. B. aus der Empathieforschung heute bekannt, dass jeder Mensch unbewusst bis bewusst die unsichtbaren Gedanken, Gefühle und Willensimpulse des anderen Menschen wahrnehmen kann. Deshalb ist nicht nur das sichtbare Tun des Erwachsenen als Vorbild wichtig, sondern auch seine Gedanken, Gefühle und sein Wille.
Der Erwachsene sollte authentisch sein, um den Kindern auf allen Ebenen ein Vorbild zu sein. Ausserdem sollte er Jugendlichen Wahlfreiheit geben.
Bemerkung: Nach neusten Forschungen sind sogar seelische Leiden körperliche Krankheiten. Durch die feinen Methoden kann heute auch bildlich dargestellt werden, dass psychische Leiden auf stoffliche Anomalien des Körpers zurückzuführen sind.
Geisteskrankheiten sind Körperkrankheiten!
Durch Defekte im Körperaufbau (falsche Hormon- und Botenstoffausschüttungen und organische Schäden) kann der Mensch seinen Körper nicht als perfektes Instrument für seinen individuellen Geist oder sein Delta brauchen. Damit sich der Körper möglichst der Natur gemäss entwickeln kann, ist ein Heranwachsen des Kinds nach den lebensfördernden Naturgesetzen, die oben beschrieben wurden, eine wichtige Voraussetzung.
Die pädagogischen Massnahmen sollen die Gesetze des Körpers beinhalten und berücksichtigen: Der Körper soll ein geeignetes Instrument des Menschen werden und nicht in alten Mustern erstarren. Dies geschieht durch Eltern, Pädagogen und andere Erwachsene. Auch Kinder und die Umwelt können unbewusst dazu beitragen.
Viel Bewegung hat auch ihr Abbild im beweglichen Geist.
Eine lebensfördernde Körperentwicklung reduziert neben den körperlichen Krankheiten auch die Geisteskrankheiten.
Die rhythmischen Lebensprozesse haben ihr Abbild im Seelenleben.
Gesunde Rhythmen sind für ein gesundes Seelenleben im Körper nötig.
Die Beweglichkeit und die lebensfördernde Ernährung des Körpers ist eine wichtige Voraussetzung für das Eingreifen des beweglichen, individuellen Geistes auf der Erde.
Die Seelen- und Geistesentwicklung beginnt erst im Erwachsenenalter, wenn die Körperentwicklung abgeschlossen ist. Diese beginnt nur mit Aktivität des Erwachsenen, sonst erlebt der Mensch einen Stillstand seiner Entwicklung. Er wird nur älter und nähert sich seinem Tod.
Die Entwicklung des individuellen Geistes kann nicht mit naturwissenschaftlichen Experimenten anschaubar gemacht werden. Es baucht einen geistig entwickelten Menschen, um den Entwicklungsgrad eines anderen wahrnehmen zu können. Der Mensch muss es wollen und können (er muss eine lebensfördernde Erziehung bekommen haben und ein entsprechendes Delta haben), um sein Individuum weiter zu entwickeln. Als geistiges Wesen muss der Mensch in Freiheit mitwirken und kann dann auch schöpferisch sein. Er ist dann nicht mehr vom Raum und der Zeit abhängig. Er ist unsterblich.
Der raum- und zeitlose, individuelle Geist des Menschen
Die lebensfördernden Beziehungen zwischen den Menschen sind ausschlaggebend, damit das Kind sich gut entwickeln kann.
So hat das Kind später als Erwachsener die Möglichkeit, mit seinem individuellen Geist sein Leben auf der Erde kreativ zu gestalten.
Diese Entwicklungsgesetze können durch eigene, genaue Beobachtung des Menschen und entsprechende Forschungen der Naturwissenschaft gefunden werden.
