Das Bewusstsein meiner Egostruktur erhalte ich ganz einfach. Ich muss nur meine Sinne öffnen und kann passiv die Welt erleben. Ich sehe Bilder, höre Klänge, rieche Düfte. Gedankenassoziationen kommen und gehen, Gefühle tauchen auf und unter… . Ich, besser gesagt meine Egostruktur, erlebe das normale Alltagsleben. Ich kann mich auf die grösste Stütze für mein Egobewusstsein verlassen, eine Stütze die eine lange Evolution hinter sich hat – die die ganze irdische Vergangenheit zeigt – , mein Gehirn. Ebenso wirken meine immateriellen Vergangenheits-Strukturen und laufen automatisch ab. Jeder Sinneseindruck wird von Emotionsmustern und Gedankenassoziationen begleitet, die sich automatisch dazu gesellen. Dies ist das für uns wohlbekannte Leben in der Egostruktur, das sich durch Vergangenheitsstrukturen stützt. Deshalb können wir uns passiv treiben lassen und sind doch bei Bewusstsein. Ergreife ich nun mein Denken innerlich mit grosser Energie, bewege ich mich nun bewusst, hellwach von Gedanken zu Gedanken, bin ich Schöpfer meines neuen Bewusstseinszustands. Ich bin die Instanz – nicht meine Egostruktur – , die bestimmt, was ins Bewusstsein eintritt. Meine innere Tätigkeit bestimmt den Helligkeitsgrad meines Bewusstseins. Je gegenwärtiger meine Tätigkeit, desto heller mein Bewusstsein. Ich verlasse aktiv – dies ist nie automatisch, ohne meinen Willen möglich – die Vergangenheit meines Egostrukturbewusstseins. Ich bin in der Gegenwart meines Ich-Bin-Wesens angelangt.

Zu meiner grossen Freude, habe ich gesehen, dass es hier wieder mal ein Update gegeben hat. Vielen Dank!
Mir ist nicht ganz klar, wie man den merken kann, dass man jetzt komplett in der Gegenwart ist. Wenn ich hier auf der Erde lebe, bin ich doch immer an die Vergangenheit gebunden (mein Körper, meine Erfahrungen etc). Wie erkennt man den Übergang vom V- ins G-Feld? Wie kann ich sicher sein, dass meine Gegenwärtigkeit keine Illusion ist?
Ich freue mich, auf deine Antwort!
Fränzi
Liebe Fränzi
Vielen Dank für Dein Interesse.
Du hast Recht, dass jeder Mensch als irdischer Mensch an Vergangenheitsmuster gebunden ist. Viele Muster sind ja als Hirnverknüpfungen „materialisiert“. Im sehr interessanten Buch von Temple Grandin „Ich sehe die Welt wie ein frohes Tier, eine Autistin entdeckt die Sprache der Tiere“ wird erwähnt, dass sich im Frontallappen die materielle Schaltstelle befindet. Alle Strukturinformationen des Gehirns werden hier zusammenführt und eine komplexere Struktur daraus gebildet, die dann vom „Normalmenschen“, nicht von den Autisten, überbewusst interpretiert wird und die Grundlage für seinen Autopiloten abgibt. Die biologische Evolution hat uns so weit gebracht, dass wir in unserem Vergangenheitsbewusstsein, das auch unser Gegenstandsbewusstsein ist, die Welt so erleben, wie wir es gewohnt sind. Wir erleben die Welt der vergangenen, erstarrten Prozesse. Aus der Vielzahl der gegenwärtigen Prozesse erfassen wir nur die Schlacke, das heisst, dasjenige, das aus der Gegenwart ausgeschieden ist. So ist jeder strukturierte Gedanke, der in unserem Bewusstsein auftaucht, das Resultat der inneren,gegenwärtigen Denkaktivität. Er ist die Vergangenheit, das tote Produkt des aktiven, lebendigen Gedankenwillensstroms, der überbewusst strömt.
Deine Frage ist anders formuliert die Frage nach dem Bewusstsein des überbewussten Denkwillensstrom, der die Grundlage für alle bewussten Strukturen ist. Der Weg vom Normal- oder Vergangenheitsbewusstsein zum Gegenwartsbewusstsein geht immer über die Brücke des Aufwachens, der inneren Aktivierung des Denkwillens. Anders gesagt muss man auf diesem Weg den Autopiloten, dessen Hardware unser Gehirn bildet, verlassen. Wir lösen uns aus den Hirnbereichen, die die materielle Grundlage unserer Egostruktur sind. Den Grad der Herauslösung kann ich innerlich beobachten. Solange ich mich von den Impulsen der Egostruktur leiten lasse, bin ich voll „eingeklinkt“. Ich lebe im Bewusstsein der biologischen Evolution, dem Gegenstandsbewusstsein. Sobald ich fähig bin auf meine Vergangenheitsstrukturen zu blicken und von ihnen frei werde, bin ich zum Teil „ausgeklinkt“ und lebe im Übergangsbereich vom V-Feld zum G-Feld. Ich bin noch ein irdischer Mensch, der die Realität seiner Vergangenheitsstrukturen bei klarem Bewusstsein noch wahrnimmt, von ihnen jedoch nicht mehr bestimmt wird. Ich kann mir nun die Impulse für mein Handeln aus dem G-Feld, meinem Ich-Bin-Wesen, holen. Wenn ich nun einen Schritt weiter ins G-Feld durch die Steigerung meiner inneren Aktivität gehe, verliere ich den Kontakt zu den Vergangenheitsstrukturen. Ich bin nun in tiefer Meditation. ich lebe im Bewusstsein eines vom Körper gelösten Menschen. Dieser Zustand ist meistens nur von kurzer Dauer. Denn die physische Welt meldet sich schnell wieder. Ich falle aus dem G-Feld zurück in meine Strukturen und werde von meiner Egostruktur wieder ergriffen. Ich muss essen, ich werde emotionell usw. Ich bin wieder ein irdischer Mensch. Ich lebe nun wieder im alten Bewusstsein. In diesem Bewusstsein wird Denken meistens mit dem „Rattern“ der Hirnprozesse gleichgesetzt. Dass das Vergangenheitsdenken jedoch nur die Folge der überbewussten geistigen Aktivität ist, wird übersehen. Weil diese innere geistige Aktivität in der Gegenwart geschieht, kann sie nicht an Vergangenheitsstrukturen des Gehirns gebunden sein. Sie kann aber Hirnprozesse prägen. So ist offensichtlich, dass gegenwärtige, materielose Prozesse die Materie des Gehirns beeinflussen können. Umgekehrt kann die Hirnmaterie die gegenwärtigen geistigen Prozesse verdrängen und als wild gewordener Autopilot die geistigen Prozesse mit seit jahrzehnten eingeschliffenen materialistischen Strukturargumenten verleugnen. Wenn wir innerlich passiv sind, übernimmt immer automatisch der Autopilot das Zepter. Die eingeschliffenen Gedanken werden aktiviert. Wenn Du in Dein Seelenleben blickst und die Stimmen hörst, die dich unfrei bestimmen, kannst Du sicher sein, dass du in der Vergangenheit bist. Nun hat der Materialismus recht. Dein Gehirn spult alte Gedankenmuster ab. Wenn Du mit innerer Anstrengung in die Gegenwart gleitest, klingen die Automatismen ab, Ruhe kehrt ein, die von deinem Willen geschaffen wird.
Dein Gegenwartswille ist zunächst inhaltslos. Er schafft aber Raum, in dem sich die Absichten deines Ich-Bin-Wesen offenbaren können. Wenn Du nun wissen willst, ob du im Gegenwartsfeld bist oder in einer Illusion, kannst Du Deine innere Aktivität unterbrechen. Sofort übernimmt der Autopilot wieder das Steuer. Der Unterschied ist frappant. Die positive Charakterisierung ist Folgende: Ist Dir bewusst, dass Du selbst der Schöpfer Deines Bewusstseins bist. Erlebst Du, dass Du mit innerer Aktivität den Raum schaffst, in dem Inspirationen aus dem G-Feld möglich werden? Erlebst Du, dass die passive Wahrnehmung der Strukturen nicht mehr möglich ist? Jede Wahrnehmung jenseits des Materiefeldes ist nur durch innere Aktivität möglich. Die Aktivität ist nötig, um wahr zu nehmen. Sie schafft nicht die Wahrnehmung, sie ist aber die Voraussetzung für die viel feineren, materielosen Wahrnehmungen, die aus dem G-Feld kommen. Wenn Du Dir diese Fragen nicht nur theoretisch stellst, sondern innerlich aktiv wirst, wirst Du selbst erleben, dass Du in einer viel realeren Welt als der irdischen Vergangenheitswelt der Strukturen lebst. Von Illusion kann keine Rede sein! Wenn Du Dich Deinem Ich-Bin-Wesen näherst, näherst Du Dich Deinem göttlichen Kern, der in der wahren Realität, nicht in der Scheinwelt der Vergangenheitsstrukturen lebt. Damit soll aber der Wert der irdische Welt, wie wir sie heute erleben nicht in Frage gestellt werden. Die Welt der Strukturen hat uns ja unser heutiges Bewusstsein erst ermöglicht. Wir leben aber seit ca. hundert Jahren in der postbiologischen Evolution. Wir dürfen bei unserem Gegenstandsbewusstsein nicht stehen bleiben. Wir sind aufgefordert vom Geschöpf zum Schöpfer (zuerst unseres Gegenwartbewusstseins) zu werden. Stillstand ist heute nicht nur im Geschäftsleben Abstieg. Die Evolution geht heute nur mit unserer Hilfe weiter. Das menschliche Bewusstsein ist die Blüte der Evolution. Eine Blüte, die sich nur unter Mithilfe des Menschen entfalten kann.