Podiumsdiskussion im Oktober 13 an der Uni Zürich: Wem gehört die Bildung?
Zu Beginn stand der Kurzvortrag vom Bestsellerautoren D. Precht. Er ist Philosophieprofessor in Deutschland. D. Precht legte die Gründe für Deutschland dar, weshalb eine Bildungsrevolution nötig sei. Das Schulsystem Deutschlands kann mit Modifikationen auch auf die Schweiz übertragen werden.
Vertreter des Geisteslebens, des Rechtslebens und Wirtschaftslebens waren Podiumsteilnehmer: Wirtschaftsprofessor Ernst Fehr, Jürgen Oelkers, emeritierter Professor für Erziehungswissenschaften, Politikerin Christa Markwalder und Grossbankchef Urs Rohner.
In folgender Kurzzusammenfassung wird aphoristisch aufgezeigt, in welchen Punkten Einigkeit herrschte. In der Durchführung werden jedoch verschiedene Wege eingeschlagen. Die wenigsten Forderungen werden jedoch heute schon umgesetzt. Es besteht in den meisten Bildungsinstituten ein riesiger Graben zwischen wissen und „machen“.
Freiheit ist die absolut notwendige Umgebung zur Entfaltung der Talente. Jeder Mensch hat andere Talente. Gesunde Konkurrenz ist nötig, um zu zeigen, was im Menschen steckt. Der Mensch muss in seinem Potential auch von der Schule gefördert werden.
Chancengleichheit muss durch den Staat mit Gesetzen ermöglicht werden. Alle Menschen unabhängig von der Hautfarbe, dem Geschlecht, dem Vermögen usw. müssen gleich behandelt werden. Die absolute Gleichheit gibt es jedoch auf der Welt nicht, weil der Mensch meistens nicht ganz vom Egoismus loskommt und Gesetzeslücken ausnutzt.
Nachhaltigkeit wird in Zukunft unbedingt beachtet werden müssen, da die Rohstoffe beschränkt sind. Man kann nur nachhaltig leben, wenn man sozial ist. In der menschlichen Wirtschaft gilt dieser Grundsatz. Auf diese Art ist ein menschengemässes Leben für alle auf der Erde möglich.
Zur Schule:
Schule ist primär keine Wissensvermittlungsanstalt, kein Ort zur Verwirklichung der Wünsche der Gesellschaft, sondern hat als Kernkompetenz die Sozialität zu entwickeln. Weiterhin muss das soziale Umsetzen der Ideen in der Praxis auf nachhaltige Weise erfolgen. Das theoretische Wissen kann im Internet viel besser auch ohne Schule erhalten werden.
Konkurrenz ist nur gesund und anregend zwischen Gruppen, nicht zwischen kleinen Schülern.
In der Wirtschaft gibt es bei Konkurrenz ungute Clusterbildung.
Die gesunde Konkurrenz führt zu einer Rangfolge der besten schulischen Einrichtungen. Es sollte auch geachtet werden, dass nicht nur die möglichst gute intellektuelle Forschung, sondern der Mensch in seinem EQ und als soziales Wesen gefördert wird.
Auch reiche und gebildete Eltern können ihre Kinder nicht ohne Gruppe, d.h. ohne Schule, ausbilden, da der soziale Aspekt fehlt.
Bild des allein ausgebildeten Kinds, bei dem die besten Möglichkeiten genutzt werden können: Kartoffel, die ungestört im Keller einen blassen Trieb ausbildet, der in den Himmel wächst. Zur richtigen, grünen Kartoffelpflanze kann man nur auf dem Feld werden!
IQ und EQ sind wichtig.
Kernaufgabe der Schule von heute ist, Sozialkompetenz zu erlangen, denn die Sozialkompetenz ist nur in einer Gruppe lernbar.
Das Schulsystem muss geändert werden, weil die Schule bis heute den Schwerpunkt auf die Wissensvermittlung setzte.
Kernkompetenzen für Berufe der Zukunft sind aber: Flexibilität, Sozialkompetenz, bewegliches Denken, handeln zu können, IQ und EQ ausgebildet zu haben.
Auch das Drittel der Verlierer, das die Kompetenzen für keinen zukünftigen Beruf hat, muss menschlich weiterleben können.
Bei den Hochschulen entsteht weltweit eine Rangordnung.
Das Kind und nicht die Ideologie ist wichtig.
Entideologisierung und Endpolitisierung der Schule ist die Forderung der Stunde.
Der Mensch kann heute noch den Prozess der Veränderung prägen, statt von den durch die Computer verursachten Änderungen diktiert zu werden. Wenn er nicht handelt, wird er von der Technik bestimmt und zur willenslosen Marionette. Die Bildung wird sich auf alle Fälle verwandeln.
Auf Chancengleichheit achten.
Frühförderung der Gefühle und der Intelligenz (EQ und IQ) ab 3 Jahren ist ausschlaggebend, weil der Mensch schon in diesem Alter zum grössten Teil durch seine Hirnentwicklung bestimmt wird. Kreativität wird schon früh im Hirn festgelegt. Obligatorischer Frühkindergarten (3 Std pro Tag) ist wichtig, damit die sozialen Eigenschaften geprägt werden.
Die Aufgabe der Eltern ist sehr wichtig.
Die Pädagogik soll interessant werden. Der Pädagoge muss künstlerisch vorgehen, dann wird der Beruf attraktiver werden. Der Lehrer wird somit zum kreativen Menschen, der künstlerisch seinen Unterricht gestaltet, nicht zum Vollzugsbeamten, der schulfremde Vorstellungen mechanisch umsetzen muss.
Durch Kunst wird der Mensch weniger kriminell.
Auch Berufsleute sollen in den Schulen einbezogen werden.
Es kommt nicht darauf an, ob der Staat oder Private die Schulen finanzieren, wichtig ist nur, ob das Potenzial des Menschen sich entfalten kann.
Fakten (Forschungen) müssen die Grundlage von Änderungen sein, nicht das Gefühl von Einzelnen.
Werden alle Argumente ernstgenommen, muss die ganze Gesellschaft umgebaut werden. Die erfolgreichen und für alle Menschen guten Errungenschaften müssen beibehalten und verstärkt, die unmenschlichen Zwänge geändert werden. Im Zentrum steht das Wohl der Menschen, nicht der Wirtschaft. Die Wirtschaft ist für den Menschen da, nicht umgekehrt.
