Mein Delta, meine Geist-Seele, lebt im nicht strukturierten Gegenwartsfeld. Es ist reine Aktivität. Es kann sich nicht auf vergangene Strukturen stützen. Es ist die individualisierte Dynamik von Gottes Wille, die aus sich selbst heraus in Bewegung ist. Eine Umschreibung für ein Bewusstseinswesen ohne Strukturen, das voller Aktivität ist, wird immer für unser irdisches Bewusstsein mit Licht in Verbindung gebracht werden. Licht, das unsichtbar ist, im Kontakt mit der Materie als weisses Licht sichtbar wird, sich überall ausbreitet und nicht fassbar ist. Man darf auch bei diesem Vergleich das sichtbare Licht, das man mit dem Denken und Handeln seiner Egostruktur durch Messung seiner Wellenlänge strukturiert, nicht mit seiner eigentlichen Qualität, seinem Wesen, verwechseln. Wenn ich Licht als unstrukturierte, nicht materielle Qualität mit materiellen Messinstrumenten fassen will, zwinge ich dieser Qualität die Art meiner Messmethoden auf und es erscheint als Welle, mit einer bestimmten Wellenlänge oder als Partikel. Dieser scheinbare Widerspruch der Erscheinungsweise des Lichts löst sich auf, wenn man folgendes Beispiel betrachtet: Man kann durch bestimmte Methoden der Verarbeitung aus Weizen Brot machen oder Treibstoff. Wenn ich nun das Brot studiere und mir Gedanken zum Wesen des Weizens mache, werden diese Gedanken sicher anders sein, als wenn ich den Treibstoff studiere.
Für physische Augen erscheint Licht als reines Weiss. Ein schönes Bild für die Qualität des Geistes.
Das Gegenteil des Lichts ist die Materie, der materielle Leib. Er ist in seiner Form lokalisierbar im Raum. Er ist mit einfachen Mitteln messbar. Er ist lichtundurchlässig und hat kein helles Bewusstsein von sich selbst. In ihm herrscht somit in doppelter Hinsicht Finsternis. So kann man mit Recht den strukturierten Leib als den Ort der Finsternis bezeichnen. Extreme Materieansammlungen im Weltall werden ja auch von der Wissenschaft mit dem Namen „schwarzes Loch“ bezeichnet. So ist Schwarz oder Finsternis für den materiellen Leib ein nachvollziehbarer Name.
Finsternis ist Leib
Der Impuls meiner Geist-Seele kommt aus sich selbst, nicht aus dem strukturierten, finsteren Leib. Sie existiert unabhängig vom Leib, braucht ihn jedoch, um durch und in ihm ihr Bewusstsein als individuelles Delta zu erlangen. Anders formuliert existiert mein Delta nur, wenn es innerlich aktiv ist, denn seine Aktivität ist die Grundlage seines Bewusstseins. Durch die vielen individuellen Erfahrungen im Leib ist mein Delta effektiv mein eigenes Delta geworden. Es gibt kein zweites Delta, das im Leib in den verschiedenen Inkarnationen dieselben Erfahrungen gemacht haben. So kann man nachvollziehen, dass jedes lichtvolle ICH-BIN-WESEN, das in der Materie seine einzigartigen Erfahrungen gemacht hat, zum individuellen Delta, zur individuellen Geist-Seele geworden ist. Das reine Weiss hat sich in der Auseinandersetzung mit der Materie, mit der Finsternis, etwas abgedunkelt. Aus dem Weiss ist eine farbige individuelle Seele geworden, die ihre eigenen Farbklänge besitzt. Aus dem geistigen Wort Gottes ist ein individueller menschlicher Klang geworden. Der Tropfen aus dem göttlichen Meer des Geistes ist zur klingenden menschlichen Geist-Seele, zum Delta, geworden. Jeder Mensch hat seine eigene Klangfarbe, die im Leib von den schrillen materiellen Farben und Klängen der Egostruktur so übertönt werden kann, dass man ihre spezielle, individuelle Klangfarbe nicht mehr erkennt.
Weshalb wurde das Licht des Menschen in der Auseinandersetzung mit der Finsternis des Leibes zur farbigen, nicht zur grauen Seele? Wenn wir im Bild bleiben wollen, gibt doch Weiss, das sich mit Schwarz abdunkelt Grau!
Um die Farbentstehung bei der Bildung des Deltas erklären zu können, muss ich auf die Farbenlehre Goethes zurückgreifen. Goethe baute seine Farbenlehre nicht auf die Erkenntnisse von Newton auf, obwohl er die Theorien Newtons bestens kannte. Newton und die heutige materialistische Wissenschaft erklären die Farbentstehung mit den Strukturen des Lichts, die sie mit materiellen Apparaten erfassen können. Im Wesentlichen sind die Wellenlängen des Lichts für die Farbentstehung verantwortlich. Im materialistischen Weltbild gibt es ja auch keine objektiven Farben. Diese entstehen erst im Gehirn durch Wechselwirkung der Wellenenergien und den Nerven.
Goethes Anliegen war es, aufzuzeigen, dass sich in den Farben objektive Wesen aus dem Gegenwartsfeld auf der Erde offenbaren. Er sah im Licht primär den Geist, der sich auf der Erde als Licht zeigt. Ebenso hatte für Goethe die Finsternis eine eigene Qualität. Finsternis ist nicht die Abwesenheit des Lichts. Sie ist die Offenbarung eines zum Geist polaren Wesens. Wenn nun sich das Licht mit der Finsternis in einem trüben Medium dynamisch auseinandersetzt, entstehen die Farben. Das schönste Beispiel erleben wir beim Sonnenauf-oder –untergang. Das Licht der Sonne „kämpft“ mit der Finsternis des Alls im Medium der Erdatmosphäre. Details kann man bei Goethe nachlesen.
Farben sind die Wirkung objektiver immaterieller Wesen. Sie entstehen nicht erst im Gehirn. Deshalb macht es Sinn, wenn sich Goethe auch Gedanken über die sinnlch-sittliche Wirkung der Farben auf die menschliche Seele macht. Goethe war seiner Zeit weit voraus. Er steht auch heute nicht im Widerspruch zu Newton. Er ging über ihn hinaus und hat schon in den Anfängen des Materialismus seinen Blick auf die in der Materie wirkenden geistigen Prozesse gelenkt. Er wollte die Phänomene der Farbentstehung mit den Qualitäten des Geistes statt mit den Quantitäten der Materievorstellungen erklären. Der Weg Newtons ist auch heute noch der geeignetste, um perfekte Farbfotogafien herzustellen. Will man verstehen, wie die Farben in der Farbtherapie auf den Menschen wirken, kann man schon bei Goethe wichtige Grundgedanken dazu finden.
Was nun im Materiellen Farben entstehen lässt – der Kampf zwischen Licht und Finsternis in einem trüben Medium – gilt auch auf der immateriellen Ebene. Wenn sich der Geist des Menschen im menschlichen Leib mit den immateriellen Kräften der Finsternis auseinandersetzt, entstehen die individuellen Farbtöne der Seele. Diese bilden die immaterielle Qualität jedes einzelnen menschlichen Deltas. Der Regenbogen als kaum fassbare Erscheinung auf der Welt berührt uns Menschen deshalb auch auf eine intime Weise in unserer Seele.
Seele ist Farbklang.