In welchem Bewusstsein bin ich, wenn ich im Dunkel des Seelenschlafs lebe? Es ist sicher nicht der Zustand des echten Schlafs. Im echten Schlaf lebt meine Seele ja im Licht. Sie kann aber geblendet vom Licht nichts ins Alltagsbewusstsein mit vollem Bewusstsein „hinüberrretten“. Das Dunkel des Seelenschlafs ist der normale Bewusstseinszustand des heutigen Menschen, wenn er sich nicht bemüht durch innere Aktivität aufzuwachen. Wie viele Bilder, Töne und Worte erleben wir, ohne auf sie zu achten? Heute weiss man, dass Bilder, die die Werbung in uns gepflanzt hat, auch wirken, wenn wir kein Bewusstsein von ihnen haben. Unsere Egostruktur lebt andauernd in unterbewussten Ängsten. Alles was sie negativ erleben könnte, ängstigt sie. Da sie ihre Grundlage im physischen Körper besitzt, lebt sie immer in Angst vor Krankheit und Tod, vor Verlust ihrer materiellen Besitze, die sie nicht vermissen möchte, da diese ihr Lebensgefühl positiv steigern. Wenn man nun auf diesem Gebiet Ängste schürt, wie Angst vor den Fremden, den andern Rassen, die uns unseren Arbeitsplatz wegnehmen könnten, lässt sich unsere Egostruktur gerne manipulieren. Sie meint sehr schnell, dass die ihr manipulativ eingepflanzten Ideen, ihre eigenen Ideen seien und vertritt diese bei jeder Gelegenheit als die eigenen. Die kritischen Einwände der Anderen schiebt sie schnell zur Seite. Falls die Menschen nicht aufwachen, nicht bereit sind gegenwärtig auch die Wünsche und die Not der anderen wahrzunehmen, prallen die Interessen der einzelnen Egostrukturen weiterhin zusammen. Ganze Kultur-und Volksgruppen, deren Egostrukturen von ihren Politikern egoistisch gleich geschaltet werden, wollen nur den Wünschen ihrer Strukturen folgend, ihre Interessen durchsetzen. Da es auf der Erde nur endliche physische Ressourcen gibt und letzlich alle Egostrukturen möglichst viel für sich wollen, muss es zu unzähligen weiteren Konflikten auf allen Ebenen kommen. Diesen Teufelskreis kann nur die nächste Bewusstseinsebene – das Deltabewusstsein oder das Gegenwartsbewusstsein – durchbrechen. Diese Ebene erlebt jeder Mensch, wenn er in seiner Egostruktur seinen eigenen Kern – sein Delta – durch Aufwachen entdeckt. Im Deltabewusstsein erlebe ich – nicht meine Egostruktur – die Sehnsüchte und Bedürfnisse der anderen „Ich-Wesen“. Da ja das Gegenwartsfeld nun alles verbindet und durchdringt, ist das Leid und die Freude des Anderen auch mein Leid und meine Freude. Ich kann nicht mehr uneingeschränkt glücklich sein, wenn es anderen Menschen schlecht geht. Ich erlebe das Gegenteil vom Erleben meiner Egostruktur. In meiner Egostruktur kann ich das Leid des Anderen gut ausblenden. Im Extremfall kann ich hinter einer Mauer, die den Blick auf das Elend der Anderen behindert, meine Feste fröhlich feiern. Mit meiner Egostruktur bin ich nur mit den Strukturen der Menschen verbunden, die gleiche Interessen und Triebe haben. Ich möchte nicht mit Hungernden am gleichen Tisch meine Speisen geniessen. Ich wohne gerne in meiner Villa im Villenviertel, nicht im Slum.
Solange ich im Dunkel bleibe, habe ich das Licht in mir – mein Delta – nicht entdeckt und auch nicht aktiviert. Ich bleibe ein Mensch der biologischen Evolution, der sich noch nicht mit allen Menschen der ganzen Erde innerlich verbunden fühlt. Die menschliche Globalisierung hat mich noch nicht erreicht. Ich bin schlafend bei Prozessen dabei, die das Elend und den Streit unter den Menschen fördern.