Meine wahre Individualität lebt in der Gegenwart. In der Gegenwart kann ich nicht von aussen und innen, von Subjekt und Objekt sprechen. Die Welt ist noch ein einheitlicher Prozess und mein wahres Ich ist im Weltprozess tätig. Ich bin meine Aufmerksamkeit. Mit dieser Aufmerksamkeit kann ich auf meine Vergangenheitsstrukturen, meine Egostruktur blicken. Dann habe ich die Welt wieder in eine Zweiheit getrennt. Ich kann jedoch nicht aus der Gegenwart auf meine Gegenwart blicken. Ich bin die Gegenwart, Ich bin der Baum, Ich bin der Andere. Mein Ich ist in allem, bleibt aber doch individuell. Mein Ich wurde durch die Erfahrungen in den Vergangenheitsstrukturen, d.h. durch das Leben auf der Erde im Physischen, individualisiert. Es ist unmöglich, dass zwei Menschen im Leben auf der Erde genau das Gleiche erleben. So existieren in der Gegenwart so viele verschiedene, individuelle Menschen-Iche wie es Menschen gibt. Auf der Stufe des Gegenwart-Ichs leben wir in der Sprache der materiellen Welt immer in Widersprüchen. Im Materiellen kann ich nicht Ich sein und gleichzeitig der Baum und der andere Mensch. In den gegenwärtigen Prozessen bin Ich der Prozess und bleibe „Ich“. Mein Ich lebt ausser Raum und Zeit und wirkt in den Raum und die Zeit. Mein Ich betrachtet nicht mehr seine gedachten Gedanken, seine unbewusst gebildeten Bilder der Welt. Es ist der Gedankenstrom. Es ist der Strom , aus dem die Gedanken und Vorstellungen auskristallisiert werden und als Vergangenheitsstruktur „betrachtet“ werden können. Mein Ichbewusstsein entsteht durch Spiegelung an der Vergangenheit, der Materie, der Seelenstrukturen, mein Ich-Wesen existiert überbewusst in der Gegenwart ausser Raum und Zeit. Mein Ich lebt im Sein und kann im Sein aufwachen ohne sich im vergangenen Sein, der Materie, spiegeln zu müssen.
Guten Tag.
Ich habe die Erläuterungen zu den Sprüchen aus Ihrem Buch mit grossem Interesse durchgelesen. Bei diesem dritten Eintrag werde ich aus ihrer Aussage „ich bin der Baum, ich bin der Andere“ nicht ganz schlau.
Sie schreiben, dass so viele Menschen-Iche existieren, wie es Menschen gibt, dennoch soll ich „der Baum, der Andere“ sein. Dann wäre ich ja gleich dem Anderen und somit wären alle Menschen, ja sogar alle Wesen ein und das selbe…
Wie ist dies genau zu verstehen?
Danke für Ihre Antwort
F. Burgener
Liebe Fränzi
Ich verstehe Deinen Einwand bestens. Auf der Ebene der Vergangenheitsstrukturen bin ich entweder ein Baum oder ein Mensch. Auf der Ebene der Gegenwärtigkeit bin ich als Menschen-Ich-Wesen genauso im gegenwärtigen Prozess, in dem der Baum entsteht, wie im Prozess, der zur Menschenleibbildung führt. Auf dieser Ebene gibt es keine Objekte mehr. Raum und Zeit sind Formen die zur Sichtbarwerdung der Vergangenheitsstrukturen auf der Erde nötig sind. Jenseits von Raum und Zeit ist alles ineinander (räumlich gesprochen, was jedoch wieder ein Widerspruch ist) Wir irdischen Menschen denken mit unseren Hirnstrukturen, die Gebilde in Raum und Zeit sind. Die Gegenwärtigkeit der Weltprozesse kann ich mit diesen Strukturen nie begreifen. Unser Vergangenheits-Ich hat die berühmten Erkenntnisgrenzen. Unser Gegenwarts-Ich kann diese durch innere Aktivität überwinden. In der Gegenwärtigkeit gibt es nur unendlich viele Stufen der Wahrnehmung, keine Erkenntnisgrenzen.
Ich kann versuchen ganz gegenwärtig ohne Vorurteile aus alten Vorstellungsmustern ein Blatt zu betrachten. Ich darf nicht innerlich sagen: Eichenblatt, Rundungen am Blattrand,grün usw. Ich muss es auf mich wirken lassen. Mein Denkautopilot muss zur Ruhe kommen. Wenn die Gegenwärtigkeit gross genug ist, erlebe ich, wie ich mit dem Blatt eins werde. Wenn man es einmal erlebt hat, weiss man, dass man das Blatt sein kann und sich selbst bleiben kann. Sobald ich mich jedoch mit meinem irdischen Körper als Ich identifiziere, bin ich nicht mehr das Blatt. Eine Erfahrung, die alltäglich ist. Die Anforderung besteht darin, sich als gegenwärtiges Ich-Bin-Wesen zu erleben.
Zu Deinem Argument, dass wir alle das selbe Wesen wären folgendes in Kürze:
Bevor wir Menschen unser individuelles oder unsere individuellen Leben auf der Erde durchlebten und uns dadurch individualisierten, waren wir alle Tropfen im Meer des Allgeistes. Die Individalisierung ist die Folge unserer Erlebnisse auf der Erde. Wir lösen uns also im Nichts, das eigentlich die Fülle ist, nicht auf. Wir bleiben uns selbst. Ein Selbst, das wir normalerweise nur ahnen und nicht kennen.
Vielen Dank für diese ausführliche Antwort. Ich kann in etwa erahnen, was du meinst, muss mir aber deine Ausführungen zuerst noch einmal durch den Kopf gehen lassen. Was du hier geschrieben hast, lässt mich alles aus einer ganz neuen Perspektive betrachten.
Wirst du im neuen Buch noch vertieft darauf eingehen? Ich habe das erste Buch hier auf der Seite runtergeladen und konnten deinen Ausführungen nicht immer bis ins letzte Detail folgen…
Vielen Dank!
Fränzi
Liebe Fränzi
Eine kurze Antwort.Im neuen Buch werde ich beim Flug durchs Deltagramm die Phänomene noch genauer und lebenspraktischer schildern. Denn diese Wahrheiten sind nicht nur abstrakte Philosophien, die nur wenige interessieren. Setzt man sie ins Leben um, bekommt man eine Grundlage, die echt menschliches Handeln erst möglich macht. Dies scheint mir, könnte für alle Menschen wichtig sein, die unter der Unmenschlichkeit unserer Zeit leiden. Deshalb wendet sich das Buch auch an alle interessierten Menschen.
Mein Kommentar: Deine Ausführungen sind interessant, aber ich meine, sie sind angesichts aller Probleme, welche die Welt hat zu „abgehoben“ und auf das einzelne Individuum zentriert. Ich denke da an: Ausländerhass, Globalisierung, Energiekrise, Klimawandel, politische Zwistigkeiten, Terror usw.(die Reihenfolge ist willkürlich). Wie können Deine Überlegungen dazu beitragen, dass z.B. die Iraner vom Bau der Atombombe absehen oder die Chinesen dazu übergehen, weniger CO2 in die Umwelt zu jagen?
Ich bin an Deiner Antwort sehr interessiert.
Robert
Lieber Robert
Ich verstehe Deinen Kommentar sehr gut. Auch ich frage mich immer wieder, wie kann ich auf die konkreten Probleme positiv einwirken. Ich weiss nicht, ob Du mein Buch ADS Kinder gelesen hast. Darin versuche ich zu zeigen, dass es zwei Arten von „abgehoben“ gibt. Wenn ich in den Vergangenheitsstrukturen, intellektuell mir tote Gedanken zur Weltverbesserung mache, habe ich eine weitere wirkungslose Theorie entworfen.
Wenn es mir gelingt, ins Gegenwartsfeld zu kommen, bin ich in der Realität der Kräfte, die letztlich die Realität auf der Erde schaffen. Gelingt es einem Menschen lebendige Gedanken aus dem G-Feld so darzustellen, dass sie von anderen Menschen lebendig aufgenommen werden, werden diese Gedanken über die Taten der Menschen, die sie verwirklichen können, Realität.
Deine Aufzählungen der Probleme sind doch alles Probleme, die letztlich von den Egostrukturen der einzelnen Menschen über Jahrhunderte hinweg verursacht wurden. So muss man doch auf das einzelne Individuum zentriert die Probleme anpacken, Das heisst, sobald eine Mehrheit der Menschen oder eine Minderheit der Menschen, die etwas bewirken können, die Negativkräfte in ihren Egostrukturen durchschauen und durch die lebendigen, unegoistischen Kräfte aus dem G-Feld ersetzen können, werden sich die Verhältnisse bessern. Wir können die Gewalt nicht durch gutgemeinte Gewalt stoppen, wir können die Umweltprobleme nicht nur technisch lösen. Wir müssen ein anderes Verhältnis von Mensch zu Mensch herstellen. Dazu gehört, dass uns bewusst wird,was die Qualität des Menschseins ausmacht. Wenn man mit der iranischen Führung in echter Menschlichkeit glaubwürdig seit Jahren verhandelt hätte, müsste sie nicht mit der Drohung der Atombombe spielen. Die Machtpolitik der USA war aber immer eine Politik der Egostrukturinteressen, d.h.letzlich unmenschlich. So sehe ich auch keine Möglichkeit, dass die Iraner ihren Kurs ändern. Beide Seiten spielen mit den Machtstrukturen der V-Felder ohne Wille zu gegenwärtigem Handeln aus dem G-Feld. Zu den Chinesen: Sie sind doch gute Schüler unseres Wirtschaftens und unserer Energieverschwendung.
Ich freue mich auf Deine Antwort
Ich glaube, uns allen spielen die Egostrukturen „einen Streich“- und auch Dir, der Du in Deiner Einschätzung der amerikanischen Politik diese sowenig objektiv und losgelöst vom V-Feld sehen kannst, wie wir alle. Auch die iranische Politik wird wohl eine sein, die ihren Egostrukturinteressen folgt und wir wissen nicht, wie sie reagiert hätte, wenn das Verhandeln der USA menschlich gewesen wäre.
Ich sehe nun nach all diesen Überlegungen nur Möglichkeiten, in relativ kleinem privatem Rahmen zu handeln und da eine ähnliche Haltung einzunehmen, wie Du sie vertrittst.
Einem „Überspringen“ des Funkens auf grössere Zusammenhänge stehe ich skeptisch und auch desillusioniert gegenüber.
Lieber Robert
Vielen Dank für Deine Antwort. Wir sind sicherlich alle bei konkreten machtpolitischen Fragen in den eigenen Egostrukturen gefangen. Man kann ja auch nicht alle Menschen eines Volkes in den gleichen Topf werfen. Ich bin aber auch überzeugt, dass alle Menschen aller Völker sich im gleichen Gegenwartsfeld begegnen können. Dort gibt es ja keine Strukturen, die uns hemmen. Auf dieser Ebene sind wir alle als Menschen und nicht als Mitglieder eines Volkes miteinander verbunden. Wenn wir diese Verbundenheit hellwach erleben könn(t)en, ist dies auch der Weg zur Lösung unserer irdischen Probleme. Hier hoffe ich auch auf ein „Überspringen“ des Funkens auf grössere Zusammenhänge. In diesem Punkte bin ich ein extremer Optimist.