Wahrnehmen
Wahrnehmungen sind immer gedacht, gefühlt und gewollt.
Deshalb besteht jede Sinneswahrnehmung aus geistigem Denken und dem Input der Sinnesorgane.
Geistiges Denken kann auch reines Denken genannt werden. Es ist nicht nur ein reines Denken, sondern auch ein Fühlen und Wollen. Es kommt nicht ungefragt und wird zu 100% vom Menschen geschöpft. Es ist ein Denken das körperunabhängig, d. h. auch ohne Gehirn möglich ist. Der Mensch muss dann ganz zentriert sein und darf sich nicht mehr von seinem Körper, der von den Genen und der Erziehung geprägt wurde, beeinflussen lassen. Sein Bewusstsein kann mit hell wach bezeichnet werden. In diesem Sinn hat Rudolf Steiner den Ausdruck das erste Mal verwendet.
Bei der Beobachtung ist der Mensch aufmerksam. Er kann durch Selbstentwicklung seine Aufmerksamkeit ins Unendliche steigern. Beobachten können nur menschliche Geist-Seelen, keine Tiere.
In Beobachtung stecken ja die Wörter “Achtung und Achtsamkeit”, die eine menschliche Eigenschaft sind. “Achtung” weist darauf hin, dass sich der Mensch aus seinem träumenden und wachen Bewusstsein reisst und hell wach wird. In dieser Phase träumt er nicht mehr und wird nicht von seinen Vorurteilen manipuliert. Er beobachtet, was ist. Die Acht oder die Lemniskate findet man auch im Wort “beobachten”. Die Aussenwelt wird zu Innenwelt. Weil die Tiere auch ein Innenleben (das seelische Innenleben, aber nicht das geistige) haben, können sie auch Inputs der Sinneswelt in ihre Innenwelt nehmen und dadurch fühlen.
Aber nur Menschen können die Sinneswelt so beobachten, dass sie sagen können, sie ist wahr und die Objekte der Sinneswelt offenbaren sich unverzerrt. Die Menschen brauchen dazu unter vielem anderen die Erinnerung und das bewusste Denken. Sie haben noch eine geistige Innenwelt, die zur seelischen 90° gedreht ist.
Die Erlebnisse in der Sinneswelt müssen jedoch auch mit den Gefühlen, die entstehen, übereinstimmen, damit in der Sinneswelt richtig gehandelt wird. Das richtige Handeln kann ein unsichtbares richtiges Denken und Fühlen sein. Das richtige Handeln in der sichtbaren Sinneswelt kann als ihre Folge des bewussten oder auch des reinen Denkens “gemacht” werden.
Der Mensch kann im eigentlichen Sinn des Wortes wahrnehmen, d. h. die Sinneswelt so wahrnehmen, dass sie der Wahrheit entspricht.
Fokusiert er etwas genau, beobachtet er. Er ist dann in seinem Ich-Punkt zentriert. Seine horizontale Lemniskate und seine Vertikale werden von ihm so ausgerichtet, dass sie sich im Mittelpunkt treffen. Er lebt im Jetzt, erinnert sich, fühlt und will.
Dieses menschlche, bewusste Wahrnehmen findet nur in der absoluten Präsenz, im Moment, d. h. in der Gegenwart statt!
