Die Grundlage einer heutigen Pädagogik
Keine Theorien, denen intellektuell zugestimmt oder die abgelehnt werden können, dürfen die Basis einer heutigen Pädagogik bilden.
Nur wenn jeder, der sich mit Pädagogik auseinandersetzt, individuell durch eigenes Üben in der gleichen Art Erfahrungen erlebt, die im täglichen Leben ihre positive, gesundende Wirkung entfalten, kann der Mensch Regeln finden, die ernst genommen werden müssen, um das Potenzial aller zu entfalten.
Diese Regeln und Gesetze können durch folgende altbekannte Übungen selbst herausgefunden werden:
1. Denk- und Wahrnehmungsübung: folgerichtiges Denken und Wahrnehmen
Zuerst ist eine Übung, die das folgerichtige Denken und Wahrnehmen fördert, auszuführen. Mit Täuschungen im Wahrnehmen und Denken, kann nichts in Freiheit umgesetzt werden. Es werden die Täuschungen verwirklicht, wenn das Leben nicht korrigierend eingreift.
2. Willensübung: sofortiges Umsetzen
Danach wird der Wille zum freien Umsetzen verstärkt. Denn es nützen die besten Ideen nichts im Leben, die nicht verwirklicht werden. Ganz im Gegenteil wird der Wille geschwächt, wenn die gesundmachenden Ideen nicht im Leben zur Anwendung kommen.
3. Gefühlsübung: Offenheit
Ohne Offenheit, neue Wege und Lösungen zu suchen, ist der Mensch alten Strukturen und Mustern verhaftet. Er beurteilt alles nach seiner Sicht der Dinge. Bildlich gesprochen hat er seine kulturellen, intellektuellen, rassistisch gefärbten usw. Scheuklappen an.
4. Gefühlsübung: Positivität
Es kommt häufig vor, dass der Mensch immer auf den Fehlern der Anderen herumreitet, ohne auch das Positive zu betonen. Seine eigenen Schwächen kann oder will er nicht sehen. Es wird dann vom blinden Fleck gesprochen.
Das Verdrängen der Fehler ist hier nicht gemeint. Es muss nicht nur positiv gedacht werden, um alle Probleme der Welt zu lösen. Wird der Mensch aber nur vom Negativen bestimmt, hat das Positive keine Möglichkeit verwirklicht zu werden. Deshalb muss der Blick in jeder Situation auch auf das Positive verwendet werden.
5. Willensübung: Gleichmut
Es braucht viel Kraft und Willen in den Stürmen des Lebens nicht unterzugehen oder sich von ihnen bestimmen zu lassen.
Wir können diese Fähigkeit der Gelassenheit oder des Gleichmuts im Leben anwenden. Es wird uns zwar nicht immer gelingen, aber Fortschritte können erzielt werden.
6. Schlussübung: Gleichgewicht
Die ersten 5 Übungen steigern unsere Fähigkeiten. Es nützt uns aber nichts, wenn wir folgerichtig Denken und nichts im Leben umsetzen, offen und positiv sind, uns aber hinreissen lassen, etwas zu tun, was wir eigentlich nicht wollen. Erst wenn wir die 5 Übungen immer ins Gleichgewicht bringen, haben wir unser menschliches, positives Potential entwickelt. Da wir unser Potenzial immer weiter entwickeln können, kommt es auf die immerwährende Bemühung, nicht auf das momentane Ergebnis an. Das Gleichgewicht ist nie vollkommen, es muss immer neu errungen werden.
Eine in diesem Sinne aktive Person ist menschlich.
Hinweise auf die Geschichte und heutige Aufgaben
Schon in den alten Religionen wurde auf diese Kriterien hingewiesen. Anfangs letztes Jahrhundert betonte Rudolf Steiner die Wichtigkeit dieser Übungen und auch heute werden einzelne Eigenschaften wie Offenheit (Gegenteil von Sektierertum, von Rassismus, von Vorurteilen jeder Art) aufgegriffen.
Es kann aber zusätzlich z. B. als Pädagoge ein vierfacher Weg gegangen werden. Er besteht aus Übungen zur Individualität, zur Seele, zur Zeiteinteilung und zum Umgang im Raum mit ihren entsprechenden pädagogischen Konsequenzen.
Als Lehrperson kann am meisten bewirkt werden, wenn als Individuum vorbildlich gehandelt wird.
Ein Lehrer, der sich selbst weiter bringt, und viel weiss, fühlt und kann, trägt zur Entfaltung des Potenzials seiner Schüler am besten bei.
