Nochmals zur Kindsgemässheit:
Es ist wesentlich, dass der Lernstoff kindsgemäss aufbereitet und durchdrungen wird.
Das Kind hat die Freiheit als Möglichkeit in sich. Der Lehrer ist eine wichtige Person, die das Ich des Schülers kindsgemäss aufwecken soll. Heute besteht die Gefahr, dass die Kinder zu früh wach werden. Sie müssen schon oft im Kindesalter entscheiden, die Verantwortung übernehmen und alles kritisch, intellektuell beurteilen. Ihnen wird dabei der grün-rote Hut ohne schlechte Absicht übergestülpt. Der Lehrer muss jedoch mit seinem Ich, nicht mit dem Ego, bis zum Erwachsenenalter den Teil der Freiheit, den das Kind noch nicht ergreifen kann, ermöglichen. Er wirkt dann unter dem gelben Hut.
Das Kind ist erst gleichwürdig wie ein Erwachsener. Erst der Erwachsene ist gleich wie alle anderen Menschen.
Wenn die Lehrperson mit dem gelben Hut ihr Potenzial entwickelt, greift sie mit ihrem individuellen Kern ein, und wird immer weniger von Ego bestimmt. Sie ist ein Mensch, der immer weiter strebt, und kann so zum Vorbild für die Kinder werden. Deshalb muss der Lehrer sich immer weiterentwickeln. Vorurteile und feste Strukturen dürfen keine Rolle spielen. Seine Erkenntnisse und Handlungen kann er mit gewissen Tools und ausgebildeten Coaches besser wahrnehmen. So können positive Korrekturen angebracht werden.
In keiner Phase der Kindheit darf der Lehrer den wahren Kern des Stoffs nicht beachten. Nie darf man die kleinen Kinder anlügen, weil sie es noch nicht verstehen. Man muss Formen finden, die über das Tun und das Gefühl die Kinder ansprechen. Das Denken wird nur am Rand bewusst eingesetzt.
Erst ab der Pubertät sollen die Kinder in langen Phasen auch bewusst intellektuell angesprochen werden. Bis in dieses Alter sollen die Tatsachen vor allem mit Bildern erklärt und durch Nachahmung und Vorbild vermittelt werden.
Hauptsächlich gibt es in der Volksschule drei Phasen:
- Kleines Schulkind
- Vorpubertät
- Pubertät
Beim kleinen Schulkind wird durch das Tun des Lehrers auf die Nachahmungskräfte gebaut, da die Kinder alles in ihrem Umfeld imitieren. In der Vorpubertät wirkt das Vorbild meistens durch Authentizität. Erst am Ende der obligatorischen Schulzeit – in der Pubertät – kann mit einem echt freien Lernen mit frei gewählten Coaches begonnen werden. Aber auch zu Beginn der Schulzeit müssen die Schüler sich individuell mit dem Stoff abgeben können. Dies wird heute auch schon als freies Lernen bezeichnet, ist aber noch nicht frei, weil die Kinder noch eine klare Führung brauchen. Die Führung durch die Lehrpersonen ist am Anfang sehr wichtig und bleibt aber in der ganzen Schulzeit auf verschiedene Arten bestehen.
