Was ich bin – meine Individualität – kann ich nicht erkennen, sondern nur bewusst sein. Mein Bewusstsein erlebt sich in der Gewgenwart, erlebt sich im Sein

Meine wahre Individualität lebt in der Gegenwart. In der Gegenwart kann ich nicht von aussen und innen, von Subjekt und Objekt sprechen. Die Welt ist noch ein einheitlicher Prozess und mein wahres Ich ist im Weltprozess tätig. Ich bin meine Aufmerksamkeit. Mit dieser Aufmerksamkeit kann ich auf meine Vergangenheitsstrukturen, meine Egostruktur blicken. Dann habe ich die Welt wieder in eine Zweiheit getrennt. Ich kann jedoch nicht aus der Gegenwart auf meine Gegenwart blicken. Ich bin die Gegenwart, Ich bin der Baum, Ich bin der Andere. Mein Ich ist in allem, bleibt aber doch individuell. Mein Ich wurde durch die Erfahrungen in den Vergangenheitsstrukturen, d.h. durch das Leben auf der Erde im Physischen, individualisiert. Es ist unmöglich, dass zwei Menschen im Leben auf der Erde genau das Gleiche erleben. So existieren in der Gegenwart so viele verschiedene, individuelle Menschen-Iche wie es Menschen gibt. Auf der Stufe des Gegenwart-Ichs leben wir in der Sprache der materiellen Welt immer in Widersprüchen. Im Materiellen kann ich nicht Ich sein und gleichzeitig der Baum und der andere Mensch. In den gegenwärtigen Prozessen bin Ich der Prozess und bleibe „Ich“. Mein Ich lebt ausser Raum und Zeit und wirkt in den Raum und die Zeit. Mein Ich betrachtet nicht mehr seine gedachten Gedanken, seine unbewusst gebildeten Bilder der Welt. Es ist der Gedankenstrom. Es ist der Strom , aus dem die Gedanken und Vorstellungen auskristallisiert werden und als Vergangenheitsstruktur „betrachtet“ werden können. Mein Ichbewusstsein entsteht durch Spiegelung an der Vergangenheit, der Materie, der Seelenstrukturen, mein Ich-Wesen existiert überbewusst in der Gegenwart ausser Raum und Zeit. Mein Ich lebt im Sein und kann im Sein aufwachen ohne sich im vergangenen Sein, der Materie, spiegeln zu müssen.

Was ich nicht bin – meine Egostruktur – erkenne ich nur durch Aufwachen

Wenn ich die erste Stufe der Selbsterkenntnis genauer betrachte, wird mir erst bewusst, dass ich meine Vergangenheitsstrukturen, die jedoch in der Gegenwart wirksam sind, aus meiner gegenwärtigen Aufmerksamkeit erkennen und durchschauen kann. Ich beobachte so nur den Teil in mir, der schon vergangen ist und sich als Autopilot in der Gegenwart zeigt. Ich erkenne also, was ich nicht bin. Die Frage bleibt bestehen: Was bin ich in der Gegenwart? Was bin ich, wenn ich meine Vergangenheitsstrukturen weglasse? Ich bin nicht mehr Mann oder Frau, nicht mehr reich oder arm, nicht mehr schön oder hässlich, nicht mehr Direktor oder Arbeiter, nicht mehr intelligent oder dumm, …. .

Was bleibt übrig? Wer bin ich wirklich?

Aufwachen ist der erste Schritt zur Selbsterkenntnis

Was erkenne ich zuerst? Ich kann zuerst, sofern ich aufgewacht, d.h.gegenwärtig, bin, meine Vergangenheitsstrukturen beobachten. Meine seelischen Strukturen kann ich aus der Gegewärtigkeit beobachten. Ich „sehe“ nach welchen Mustern meine Reaktionen auf bestimmte Lebenssituationen ablaufen. Ich kann beobachten, wann Zorn, Ehrgeiz, Schmollen usw, auftauchen. Ich kann auch beobachten, wie mein Körper, meine sinnlich sichtbare Vergangenheitsstruktur auf diese Situationen reagiert. Meine ganze physisch-psychische Struktur ist eine Vergangenheitsstruktur, die mich prägt, die auch als „Autopilot“ zum Teil mein Leben führt. Je mehr ich aufwache, je gegenwärtiger ich werde, desto klarer kann ich zwischen meinem Autopiloten und meinem Gegenwartswesen unterscheiden. Ich habe eine grössere Selbsterkenntnis durch innere Aktivität – durch Aufwachen – erreicht.