Schule als lebendiger Organismus: Schulalltag

Was?

Schwerpunkte beim Lernen & Leben

Physischer Körper:
Bewegung & Ernährung

Bewegung und eine gesunde Ernährung sind zentrale Bereiche im Schulalltag.
Ziel ist, dass der physische Körper als „Werkzeug“ des Menschen gepflegt wird.
So sind optimale Bedingungen geschaffen, um die selbst gesteckten Ziele zu erreichen.

Energiekörper:
Rhythmisierung

Jede Tätigkeit soll rhythmisiert werden, denn Rhythmus gibt Kraft. Das Übernehmen von Verantwortung ist ständiger Begleiter im Lernprozess. Die Art und Regelmässigkeit des Lernens ist sowohl in der Verantwortung der Kinder als auch der Erwachsenen.

Seelenkörper:
Gefühle

Die Gefühle sollen jederzeit als Feedbackinstrument eingesetzt werden können. Isoliertes Denken führt zu einer Reduktion der ganzen Welt nur auf das Denken. Die Gefühle und der eigene Wille werden dabei missachtet. Der Mensch wird von Emotionen gepackt und er versucht seine Ziele mit einer „ferngesteuerten“ Motorik zu erreichen, für die er keine Verantwortung übernehmen kann. Er ist nicht mehr „sich selbst“.

Individualkörper:
Aufmerksames Denken

Die Lehrpersonen achten darauf, dass die Kinder im Jetzt leben. Sie versuchen das Abgleiten in Träumereien und Vorurteile zu verhindern. Die Schulung aller Sinne und dadurch der genauen Wahrnehmung führt in die Gegenwart (siehe Blog). Damit wird das unbewusste Ich des Kindes aktiviert.

Durch die intensive Sinnesschulung nimmt das Kind nicht mehr mit dem Ego wahr und hat keine Vorurteile mehr. Vielleicht wehrt es sich zu Beginn, weil die bewusste Aktivität unbequem ist. Es ist einfacher dasjenige wahrzunehmen, was man durch die Eltern und die Gesellschaft schon kennt, als selbst zu schauen, zu hören usw. und darüber nachzudenken.

In der Schule unterstützen die Erwachsenen das Kind in jeglichen Entwicklungsbereichen, z. B. in der Sinnesentwicklung.
Grundlegend dabei ist die Selbstentwicklung der Erwachsenen, da sie nur damit authentisch auf das Kind eingehen können.

Nach der Schulzeit, als Erwachsener, ist es die Aufgabe von jedem selbst sich in Freiheit weiter zu entwickeln. Der Mensch kann seine Aufgabe ergreifen und geistig-seelisch auch erwachsen werden oder in seiner Geistseele ein Kind („kindisch“) und damit teilweise „unreif“ bleiben. Wenn er zu lange ein „Kind“ bleibt und sich nicht selbst geistig-seelisch entwickelt, verhärtet der Mensch und wird ein unangenehmer Zeitgenosse. Sein Ich-Wesen oder sein Kern kann immer schlechter eingreifen und sein Leben aufbauend gestalten.

Wie?

Konkrete Umsetzungsmöglichkeiten

Die Schule ist ein Teil des Lebens. Als Lebensraum bietet sie weit mehr als nur die Schulung des Intellekts. Die Auseinandersetzung mit den eigenen Gefühlen und Konfliktlösung durch die Schulung der Empathie sind beispielsweise wichtige Elemente. Eine Durchmischung der Aktivitäten von Erwachsenen, Kleinkindbetreuung, Tätigkeiten des Alltags wie Kochen ist vorstellbar. So wird offensichtlich, dass Schule nicht isoliert vom übrigen Leben „stattfindet“.

Auf die Gefühle von sich und den Anderen zu achten ist wichtiger Bestandteil.
In den Gefühlen sind wir einander gleich.
Indem wir jegliche Situationen „künstlerisch“ oder „spielerisch“ – also mit Gefühl – gestalten,
stellen wir die Gleichheit aller Menschen ins Zentrum.

Vorschlag eines Tagesablaufs

(mit Zeitangaben am Beispiel der Delta Schule)

Morgenkreis

Beginn mit einem rhythmischen Teil als gemeinsamer, aktiver Start (10 min). Danach wird besprochen, was gerade ansteht: Tagesablauf, besondere Ereignisse/Aktualitäten, Raum zum Erzählen/Feiern usw.

Richtzeit ganzer Morgenkreis: 15 – max. 30 min
Schulstart: 8.30 Uhr

Themenspezifische Epochen

Jeweils vier Wochen gibt es ein gemeinsames Oberthema: Themenübergreifend werden unterschiedlichste Aspekte des Oberthemas behandelt.
Sowohl das Denken und die Gefühle werden angesprochen.
Denken: Gesetzmässigkeiten, Begriffe usw.
Gefühle: persönliche Betroffenheit in Bezug auf das Thema

Ziel ist, immer häufiger auf dem Weg zur persönlichen Verantwortung für die eigenen Gedanken, Gefühle und Taten
zu bleiben.

Die Epochen führen also im Idealfall zu ausserschulischen Auswirkungen, indem beispielsweise das Verantwortungsgefühl durch ein vertieftes
Verständnis der Zusammenhänge zunimmt.

Es gibt eine kurze Einführung ins Thema und tägliche Weiterführung in kleinen Inputs.
Die Angebote innerhalb einer Epoche sind nach Altersstufe differenziert:

Zum Beispiel haben junge Kinder Tierkunde mit Sagen und Märchen und
Jugendliche Tierkunde im biologisch wissenschaftlichen Sinne.

Die Kinder führen ein Epochenheft zur Dokumentation und
zur Stärkung der individuellen, gestalterischen Ausdruckskraft.

In jeder Epoche gibt es neben den Inputs auch individuelle Vertiefungen.

Die Sinnesschulung ist wichtiger Bestandteil der epochenspezifischen Angebote.
In Spielen drinnen & draussen steht die Sinneswahrnehmung bewusst oder unbewusst im Zentrum.
Siehe dazu auch folgende Blogartikel:
Spiele des Körpers und des Ich-Geistes und Spiele des Seelen- und Energiekörpers.

Richtzeit: 90 min
Ende: 10.30 Uhr

Freiraum

Der Freiraum dient zur Erholung und Auflockerung nach einer aktiven Betätigungsphase und rhythmisiert den Tag. In der Mitte des Morgens steht der Freiraum z. B. für Spiele drinnen & draußen zur Verfügung.
Der Freiraum wird sowohl von Kindern als auch von Erwachsenen genützt.

Richtzeit: 30 min
Ende: 11 Uhr

Rhythmischer Teil

Rhythmischer Teil als gemeinsame, aktive Betätigung:
Nach dem Freiraum zusammen oder nach Altersgruppen differenziert, z. B.:
Gemeinsame Betätigung: Singen
Kleine Kinder: Gedichte/Rhythmen mit unterstützenden Bewegungen
Grössere Kinder: Schwertkampf

Richtzeit 10 – 20 min
Ende: +- 11.15 Uhr

Individuelles Üben+Inputs

Nach der Pause werden individuelle, selbstgewählte Themen bearbeitet – freiwillig kann auch das Epochenthema weiter vertieft werden. Nun wird in erster Linie selbständig gearbeitet, bei Bedarf gibt es individuelle Unterstützung von Mitschülern oder Erwachsenen.

Gleichzeitig werden Inputs zu verschiedenen Themen von Erwachsenen und Kindern angeboten. Diese sind freiwillig, es können sowohl Kinder als auch Erwachsene teilnehmen.

Richtzeit: mind. 60 min
Ende: 12.30 Uhr

Mittagspause

Gemeinsames Mittagessen: Die Kinder unterstützen in der Küche und helfen ein leckeres & gesundes Mittagessen für alle zuzubereiten.

Nach dem Essen gemeinsamer Aufenthalt im Wald zum Spielen und Ausruhen (mit Aufsicht von Erwachsenen).

Richtzeit gesamt: 90 min
Ende: 14 Uhr

Nachmittagsaktivitäten

Am Nachmittag finden wöchentliche Aktivitäten statt wie z. B.:
Künstlerische Tägigkeiten (Singen, Malen, Zeichnen, Modellieren etc.), Bewegung, Sport, Werken und Garten.

Gemeinsamer Abschluss

Tagesrückblick, Vorankündigungen für den nächsten Tag etc.

Richtzeit: 5 – 10 min
Schulschluss: 16 Uhr

Organisation der Schule

Es folgt eine kurze Übersicht über die im Schulalltag wichtigsten Organisationsformen der Schule.
Eine ausführliche Darstellung ist hier im vorhergehenden Blog-Artikel zu finden.

Nachhaltigkeitsteam

Im Nachhaltigkeitsteam werden alle Ressourcen (Lehrerlohn, Schulgeld, .. ) sozial gestaltet.

Schulrat mit Schulversammlung

Wöchentlich tagt die Schulversammlung. Alle Kinder und Erwachsenen, die regelmässig in der Schule anwesend sind, nehmen teil. Themen, die alle betreffen, werden diskutiert.
In der Schulversammlung lernen die Kinder das Prinzip der Demokratie kennen.

Kreativteam

Wöchentlich trifft sich das Schulteam, das Kreativteam genannt wird.
Die Treffen beinhalten Gedanken zur Schulentwicklung, praktische Überlegungen zum Alltagsgeschehen (Methodik, Pädagogik).

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