Freude ist keine Emotion

Freude wird vielfach mit einer Emotion verwechselt.

Die Emotionen Freude, Glück, Zufriedenheit usw. können durch geeignete Umstände bewirkt werden. Sie sind schnell da, verschwinden aber ebenso schnell wieder. Physiologisch werden sie durch eine Hormonausschüttung ausgelöst, die mit inneren und äusseren Bildern verbunden ist.

Die Emotionen können mit einem Strohfeuer verglichen werden. Gefühle sind ein unauslöschbares Feuer, das im Innern jedes Individuums brennt. Deshalb wird auch von brennendem Interesse gesprochen, wenn der Mensch sich  mit etwas tief verbinden will. Ein altes Bild wird in der Bibel mit den Pfingstflammen auf den Köpfen gemalt. Sie weisen auf das Wirken des Geistes hin. Nicht zufällig wird gesagt, jemand sei begeistert. Denn der Mensch ist nicht nur ein Naturwesen, das z. B. von seinen Hormonen abhängig ist, sondern auch ein ewiges, individuelles Geist- oder Ichwesen, das sich seine Ziele selber gibt.

Es kann deshalb niemandem befohlen werden, Freude als Gefühl zu empfinden, weil dies nur mit innerer Motivation möglich ist.

Tiefe Freude, immerwährendes Glück und Zufriedenheit können niemandem diktiert werden. Der Mensch ist an ihrem Entstehen mitbeteiligt. Er wird nicht zwischen „Himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt“ hin und hergerissen. Auch wenn die äusseren Umstände für ihn schlecht sind, kann er innerlich von Freude, Glück und Zufriedenheit erfüllt sein. Diese Gefühle kommen ja von seiner echten Ich-Persönlichkeit von innen, nicht von seinem Ego von aussen.

Um die Kraft der echten Freude zu erfahren, muss der Mensch innerlich aktiv sein. Er muss dadurch immer mehr mit seinem ewigen Individuum in der Welt wirken. Er kann der Welt seinen individuellen Stempel aufdrücken. Dies macht er aber nur, wenn die anderen durch seine Taten nicht behindert werden. Denn er handelt in Freiheit. Die Motivation für seine Handlungen muss von ihm selbst kommen. Er ist dann intrinsisch motiviert.

Die Freude ist die Kraft des Individuums, die ans Tageslicht kommt.

Freude

Mit Freude etwas tun heisst: Der Mensch ergreift die Materie individuell. Er durchdringt sie mit wirklichkeitsgemässen Gedanken und persönlicher Wärme und Gefühl. Zudem ist er auch mit seinem Willen engagiert, indem er bewusst oder unbewusst einen Entschluss fasst und sich willentlich mit der Materie verbindet.

Die Sprache kennt noch viele Umschreibungen des freudigen Tuns: den Funken überspringen lassen; er brennt etwas zu tun; er hat loderndes Interesse; man sieht seine Freude an seinem Interesse, an seinen blitzenden Augen, an seinem Engagement, an seiner Menschlichkeit; er ist voll motiviert; er macht etwas mit Liebe, mit Wärme, aus ganzem Herzen; er ist ganz dabei; er ist begeistert usw.

Es werden fast immer Ausdrücke mit Feuer, Herz, Geist gebraucht, um seine Freude auszudrücken.

Wenn der Mensch auf diese Art den Atemstrom prägt, spricht er nicht wie ein Roboter, der irgendeine unmenschliche Theorie propagiert. Beim Niederschreiben seiner Gedanken setzt er keine herzlosen Theorien in die Welt, die ein anderer zum egoistischem Leben brauchen kann. Er kopiert nicht gedankenlos Theorien anderer oder ändert sie ein bisschen ab, damit er sie als eigene Tatsachen weitergeben kann. Als Lehrer paukt er nicht mit Druck den Stoff, als Manager ist ihm nicht nur die Gewinnoptimierung wichtig, als Arzt bekämpft er nicht mit allen ihm möglichen Mitteln die Symptome usw.

Er handelt verantwortlich und denkt an die anderen Menschen und das Wohl der ganzen Erde.

Nur nachhaltiges Handeln bringt die Menschheit und den einzelnen weiter. Alles andere ist ein kurzfristiges Denken und Handeln, das vor allem dem eigenen oder dem Egoismus einer Gruppe (z. B. Rasse, Religionsgemeinschaft, Volk) dient. Ein Abspeichern von Information, das der Mensch mit dem Computer blitzschnell und für immer machen kann, nützt nur  etwas, wenn der Mensch sich mit den Inhalten ohne Computer verbinden kann, ansonsten ist vor allem ein Missbrauch der Daten möglich.

Individuelles Denken, Fühlen und Wollen sind  die Voraussetzung, dass der Mensch nachhaltig handelt.

Lehrziele XIII

5. Biologie

Auch in den Naturwissenschaften sollen Biographien, konkrete Beispiele statt abstrakte Umstände geschildert werden. In der Biologie wird auch das Verständnis des Menschen als lebendes, durchseeltes und geistiges Wesen gefördert. Das Gemeinsame der Tiere und Menschen, aber auch das Einzigartige des Menschen kann aufgezeigt werden.

Makrokosmos und Mikrokosmos

Schon bei Paracelsus wird der Mensch als Mikrokosmos beschrieben, der in den verschiedenen Naturreichen und im All als Makrokosmos ausgebreitet ist. Heute weiss man wissenschaftlich, dass man mit dem Elektronenmikroskop so weit ins Kleine wie mit dem Teleskop ins Grosse schauen kann. Da alles zusammenhängt, wäre es ein guter Ansatz, die Kräfte in den einzelnen Zellen mit den Kräften, die im All studiert werden können, zu vergleichen, denn der Makrokosmos spiegelt sich nach Paracelsus im Mikrokosmos wieder.
Genauer formuliert kann man im Weltall (Planetenbewegungen, Lichtquellen usw.) die Gesetze, die auch im Menschen gelten, studieren.