Was man bei der Erziehung des Menschen von den Pflanzen lernen kann!

Dogmen

Sie verhärten den Menschen. Er wird besserwisserisch, stützt sich auf die Meinungen von Generationen erfahrener Fachleute, die  es so oder so gemacht haben. Dogmen verunmöglichen den Lernfortschritt und geben eine falsche Sicherheit.

Bsp. Hartes Durchgreifen bei Pflanzen (viel abschneiden) und bei Kindern (schmerzhafte Massnahmen, die Angst und Schrecken verbreiten) ist und war nie gut!

Beweglichkeit – keine Willkür

Freude und Begeisterung am Beruf sind die besten Voraussetzungen, um ein guter Lehrer zu werden.

Der Lehrer muss wie alle Berufsleute das spezielle Kind erleben, genau studieren, das Echo auf seine Massnahmen prüfen usw., um nicht in Vorstellungen, die als Vorurteile sich fixiert haben, zu verbleiben. Gehört eine Massnahme zu einem pädagogischen Gesetz, muss der Lehrer es trotzdem individuell auf seinen Schüler im Jetzt anwenden. Er muss darauf achten, dass er ins Herz-Bewusstsein kommt und offen, liebevoll und logisch wird. Er muss seine Person mit allen Egoismen in diesem Moment loslassen, um seine Massnahme nicht zu verfälschen.

Es geht jetzt nicht um ihn, sondern um den Schüler!

Nicht jede Massnahme, auch wenn sie im Allgemeinen richtig ist, ist bei jedem Schüler gleich angebracht. Denn jeder Schüler hat einen anderen Hintergrund (Erziehung), eine andere Vererbung (Genetik) und einen eigenen Kern. Es gibt keinen Menschen, der genau gleich wie ein Anderer ist. Sogar eineiige Zwillinge, die in der gleichen Familie aufgewachsen sind, unterscheiden sich in ihrem innersten Wesen.

Der beste Lehrer für einen Lehrer ist das sich entwickelnde Kind.

Gesetze des Leblosen, des Lebens, der Seele und des Geistes

Es gibt Gesetze des Leblosen, des Lebens, der Seele und des Geistes.

Der Mensch, der eine grosse Erfahrung hat, kann sie in der Praxis bestätigt finden. Es herrscht bei Gesetzen keine Willkür, sie gelten nicht, wann und wie man will, und sind keine Geschmackssache. Wenn nur ein Mensch, ein Tier, eine Pflanze und ein lebloser Gegenstand sich nicht an das entsprechende Gesetz „hält“, kann nicht von Gesetz, sondern von einer Regel, die nur in einem bestimmten Umfeld richtig ist, gesprochen werden.

Bei Pflanzen muss zwischen Gesetzen des Leblosen und des Lebens unterschieden werden. Bei Tieren müssen noch zusätzlich die Gesetze der Seele einbezogen werden. Beim Menschen müssen alle Gesetze (des Leblosen, des Lebens, der Seele und des Geistes) beachtet werden, um ihn richtig zu verstehen und pädagogisch zu behandeln.

1. Bsp: das Leblose

Mit Physik und Chemie kann man die unbelebte Natur gestalten. Es gelten aber die Gesetze des Leblosen: Ein Stein kann nicht so in die Luft geworfen werden, dass er ein paar Tage in der Höhe bleibt. Unter Anwesenheit von Sauerstoff entzündet sich ein Luft-Benzingemisch bei einer Zündung mit einer kleinen Flamme. Es können noch unendlich weitere Beispiele beschrieben werden.

2. Bsp: das Lebendige

Mit den Gesetzen des Lebens kann die belebte Natur gestaltet werden: Der Gärtner kann Pflanzen durch Schneiden und Binden erziehen (Kurz geschnittene Triebe schlagen kräftig aus. Sie wachsen zu langen Zweigen heran.). Pflanzen gedeihen durch rhythmisches Leben (Sonnen-, Tages-, Jahresrhythmus usw.). Es können noch viele weitere Beispiele beschrieben werden.

3. Bsp: das Seelische

Mit den Gesetzen der Seele können z. B. einige Tiere dressiert werden: Ein starker Wille ist bei jeder Dressur nötig. Man erreicht am meisten, wenn die Tiere liebevoll behandelt werden. Sie sind ja seelische Wesen, die Schmerz und Freude empfinden. Nahrungsgabe als Belohnung, streicheln usw. verstärken die Dressurergebnisse. Natürlich kann auch mit grausamen Methoden ein Ergebnis erzielt werden. Nur wird das Tier dadurch seelisch verstümmelt. Es ist danach gebrochen. Hunde sind oft bissig, laufen mit eingezogenem Schwanz und verhalten sich unberechenbar. Es können noch unzählige Beispiele beschrieben werden.

4. Bsp: das Menschliche

Werden die Gesetze des Menschen ernst genommen, ist es das Wichtigste, Freiheit, Gleichheit und Sozialität zu erreichen. Liebe ist nur bei Menschen möglich. Sie ist nicht nur ein gutes Gefühl, sondern beinhaltet z. B. auch noch Verzeihung, Selbstbewusstsein, das entwickelt werden kann, und Vieles mehr. Sie kann nicht erzwungen werden, denn sie braucht Freiheit.

Weiter müssen die verschiedenen Entwicklungsstände des Menschen berücksichtigt werden. Beim Erwachsenen wird ohne Einsicht und den Willen, sich selbst zu entwickeln, nichts Gutes erreicht. So werden  Untersuchungen publiziert, dass soziale Menschen, auch wenn sie wenig Luxusgüter besitzen und nachhaltig leben, am glücklichsten sind. Sie haben das Bewusstsein entwickelt, dass die ganze Menschheit sich die Erde teilen muss. Denn nur mit Geld kann niemand das Glück und die Zufriedenheit kaufen. In der Delta Pädagogik wird auf die menschlichen und alle anderen Gesetze geachtet.

 

Was hat ein Obstbaumschneidekurs mit Pädagogik zu tun?

Obstbaumschneidekurs

Weil ich nach Jahren meiner „Wald- und Wiesen- Schneiderei“ unsere Obstbäume richtig schneiden will, besuchte ich am Samstag, 10. 1.15, einen Obstbaumschneidekurs. Der Gärtnermeister Wyler hat mit grossem Engagement und Begeisterung das Schneiden von Obstbäumen erklärt. Ich nahm mit Erstaunen zur Kenntnis, dass er nach Grundsätzen, mit denen man auch die Schüler pädagogisch gut behandelt, seine Bäume erzieht.

Seine wichtigsten Thesen kurz zusammengefasst:

  • Es gibt Dogmen, die schon seit über hundert Jahren angewendet werden, aber trotzdem falsch sind. Beispielsweise das Wegschneiden von Wassertrieben.
  • Beweglichkeit, keine blinde Befolgung starrer Strukturen und eigene Erfahrung sind die Lehrmeister bei Regeln, welche die Entwicklungsgesetze der Pflanze beachten.
  • Es gibt Gesetze bei der Entwicklung von Pflanzen, denen man sich mit grosser Erfahrung und stetiger Korrektur gerecht werden kann. Es ist also nicht „Geschmackssache“ wie man Obstbäume durch Schneiden und Binden erzieht.
  • Allgemeine Ratschläge sind zwar richtig, aber zu ungenau, um mit ihnen einen bestimmten Baum gut zu erziehen. Nur bei individuellem Live-Betrachten kann man wirksame Ratschläge geben.
  • Durch genaues Beobachten des eigenen Baumes wird man zum Experten für den eigenen Baum. Die Technik (Fotos) können eine Hilfe sein.
  • Durch stetige Beobachtung und Eingriffe erzieht man am besten. Im Februar und Juni entsprechend schneiden.
  • Langdauernde Freude an den blühenden Ästen durch Einstellen in eine Vase haben.
  • Die Erziehung der Obstbäume wird meistens falsch gemacht. Auch viele Gärtner üben ihr Handwerk nicht gut aus.

Bei einem Spaziergang bestätigte sich die letzte These. Die meisten jungen und alten Obstbäume waren nicht gut geschnitten und nicht entsprechend den Gesetzen des Pflanzenwachstums erzogen.

Als Pädagoge erlebte ich, dass alle Punkte, die der Gärtnermeister erwähnte, auch bei der Erziehung des Menschen wichtig sind. Nur ist der Mensch ein beseeltes Wesen, das noch zusätzlich einen geistigen, individuellen Kern besitzt. Dies muss auch noch bei der Erziehung berücksichtigt werden.

Die Erziehung bei Pflanzen, Tieren und Menschen

Die Obstbäume und alle Pflanzen sind Lebewesen und wachsen, indem die Gesetze des Lebens zur Geltung kommen. Ausserdem wirken auch die physikalischen Gesetze, die den leblosen Formen zugrunde liegen.

Tiere sind zusätzlich beseelt. Sie empfinden z. B. Freude und Schmerzen.

Der Mensch ist nicht nur ein lebendes Wesen, sondern auch ein seelisches und geistiges Wesen. Er hat auch noch einen individuellen Kern, der als Keim vorhanden ist.

Bei Pflanzen wir von Erziehung gesprochen, indem man mit Schneiden und Binden eingreift. Eine gute Beobachtung und viele Kenntnisse, d. h. eine lange Erfahrung, lassen uns gut erziehen.

Bei Tieren spricht man auch von Erziehung, meint aber die Dressur der Tiere. Mit rhythmisch wiederkehrenden Regeln (z. B. das Ritual des Fütterns), mit Konsequenz, die einen grossen Willenseinsatz verlangt, und viel Verständnis für Tiere erreicht man am meisten.

Menschen erzieht man zu Beginn am besten durch ein authentisches, gutes Vorbild, danach durch eine menschengemässe Pädagogik. Als Erwachsener geht die Erziehung nur als Selbsterziehung weiter. Wenn der Mensch nicht will, ist seine Erziehung schon bald abgeschlossen. Er handelt nach Vorgaben, die Andere in der Vergangenheit bewusst oder unbewusst bestimmt haben. Seine Entwicklung bleibt stehen. Eigentlich sollte man beim Menschen nicht von Erziehung sprechen, weil das Wort „Ziehen“ im Begriff steckt. Der Mensch sollte nicht nur gezogen werden, sondern ein Umfeld haben, in dem er sich entwickeln kann. In diesem Umfeld wird sein Kern altersgemäss angesprochen.

Es wird die Basis gelegt, um eine lebenslange Selbstentwicklung möglich zu machen.

Die Schule

Die Schule sollte ein Ort werden, wo der Mensch nicht noch mehr negativ geprägt wird, wie es heute meistens ohne bösen Willen geschieht. In der Schule sollte die Potenzialentwicklung jedes Menschen gezielt und mit Bewusstsein gefördert werden. Dazu müssen sich die Lehrer permanent entwickeln wollen  und eine Schule wählen können, die dies möglich macht.

Erst dann sind die Voraussetzungen zur Potenzialentwicklung der Schüler gegeben.