Gefühle sind ihr Erfolgsgeheimnis
Zürcher Wissenschaftler haben das Hirn von Schauspielern erforscht und Erstaunliches entdeckt: Berühmte Bühnenkünstler können Gefühle im Theaterspiel neu aufleben lassen. Das hilft auch dem Gedächtnis.
Ein unterhaltsameres Referat haben Neurowissenschaftler noch selten erlebt. Schauspieler der Zürcher Hochschule der Künste lassen die am Brain Forum Ende Mai in Lausanne versammelten Hirnforscher mit Shakespeares «Romeo und Julia» schmachten. «Die Nacht verschleiert mein Gesicht, sonst färbte Morgenröte meine Wangen», seufzt Julia in Capulets Garten, als Romeo heimlich um sie herumschleicht. Doch dann unterbricht der Neurowissenschaftler Thomas Grunwald abrupt die Szene: Die Wangenrötung, so doziert er trocken, sei eine unwillkürliche physiologische Antwort des Gehirns auf Gefühle, um deren Echtheit zu signalisieren. Und so geht es das ganze Stück weiter. Die Schauspieler überbieten sich mit gefühlsintensivem Spiel, der Neurowissenschaftler erklärt die biologischen Hintergründe der Emotionen. In der Ausbildung lernen sie, dass sie nur glaubwürdig auftreten können, wenn sie voll dabei sind…. Soweit ein Ausschnitt aus einem im Juli 2016 in den Medien erschienenen Artikel.
Kommentar:
„Voll dabei sein“ heisst, dass die Schauspieler mit ihrem Ich präsent sind. Sie müssen auch ihr Aufmerksames Hirn oder ihren Frontallappen zusätzlich zum ganzen anderen Hirn möglichst gut als Tool gebrauchen, um im Jetzt zu leben. Dann können sie ihre Gefühle auch durch ihre Seele in der Gegenwart erleben und verstärken. Sie können die Gefühle aber auch mit dem Körper als Bewegungen ausdrücken wie Lächeln, schmachtende Stimme, entsprechende Gestik und sie dadurch verstärken, hervorbringen und auf der Bühne darstellen.
Es gibt für das Ich den Weg über die Seele und den Weg über den Körper, um die Gefühle zu zeigen und wirken zu lassen. Der Mensch kann die Gefühle im Innern auftauchen lassen oder im Äussern spielen: Es wird das gleiche Hirnzentrum aktiviert, wie eine Hirnaufnahme gezeigt hat.
Das Gehirn gibt keine Antwort (… unwillkürliche physiologische Antwort des Gehirns) auf Gefühle, sondern das Ich des Schauspielers drückt sich aus. Das Gehirn wird vom Schauspieler als Werkzeug eingesetzt, um den Körper entsprechend der Gefühle wirken zu lassen (Wangen werden rot, schmachtende Geräusche der Stimme, usw.). Die übliche Formulierung leugnet oder verdrängt den menschlichen, individuellen Geist durch seine Nichtbeachtung. Der Effekt ist der gleiche, die Erklärung und der Sprachgebrauch manipulieren uns unmerklich. Sie vertiefen meistens ohne Absicht den Materialismus auch in der Kunst. Sie bestätigen unbewusst, dass es den individuellen Ich-Geist nicht gibt. Das Hirn handelt, obwohl die grauen Fleischmasse kein Kriterium besitz, ob eine Handlung lebensfördernd oder zerstörerisch ist. Es hängt aber vom Willen des Schauspielers ab, wie er wirken will. Seine Schauspielkunst ist erlernbar und kein Zufall! Der Wille ist ein anderes Wort für sein Ich, das will. Das Hirn ist sein Werkzeug.
Der Mensch kann in seiner Seele – in seinem Innenraum – fühlen und dies auch mit seinem Körper ausdrücken. Seine Gefühle geben ein Feedback der Umwelt oder der Lebenssituation wieder.
