4. Übung: Positivität (auch in negativen Strukturen das Gute sehen)

Hat man es nun geschafft, offen zu bleiben , muss man die Energie noch steigern und im Land der Grünhüte Gedankenstrukturen suchen, mit denen man eine äusserlich negative Situation nicht nur negativ sieht. Es geht nicht darum das Negative positiv darzustellen. Wichtig ist, dass man in jeder negativen Situation auch das Positive sehen kann. Mit der Kraft aus dem Gegenwarts-Feld, die ja auch im Land der Gelbhüte wirkt, kann ich jeder Negativität auch etwas Positives abgewinnen.

Einige Beispiele:

• Eine Krankheit kann einen ungesunden Lebensrhythmus unterbrechen und dem Patienten Zeit zum Überdenken seiner Situation geben;
• ein Unfall kann fest gefügte Strukturen aufbrechen neue Perspektiven zeigen;
• eine Trennung kann den Weg frei machen, im Rückblick eine bessere Beziehung einzugehen;
• der Verlust der Arbeitsstelle kann eine Chance für einen Neuanfang sein.

Es soll nicht das Leid in der entsprechenden Situation wegdiskutiert werden. Der Mensch soll jedoch seine innere Kraft aktivieren, das Negative als Chance für eine Verwandlung seiner Situation zu ergreifen. Diese Übung kann auch mit kleinen alltäglichen Negativitäten erfolgreich durchgeführt werden.

Einige Beispiele dazu:

• Das Tram fährt mir vor der Nase davon. Ich lebe meine Enttäuschung und Wut auf den Tramführer nicht aus und bleibe aufmerksam. So entdecke ich einen alten Bekannten, den ich schon seit Jahren nicht mehr getroffen habe.
• Der Absturz meines Computers und die damit verbundene Löschung meines Textes motivieren mich, den Text nochmals neu zu gestalten.
• Die leere Autobatterie verhindert, dass ich bei Glatteis mit dem Auto losfahre. Vielleicht habe ich so einen Unfall vermeiden können.

3. Übung: Offenheit (keine Vorurteile)

Nun gehe ich in den Bereich der Rothüte und muss dort lernen, dass ich nicht von den Emotionsstrukturen, die mich schon seit Kindheit prägen, verleiten lasse die Situation im Leben zu beurteilen. Als Übung bemühe ich mich, mich den Lebenssituationen in Offenheit gegenüber zu stellen. Offenheit heisst, ohne oft unbewussten Rückgriff auf Emotionen aus der Vergangenheit, eine Situation wie neu zu beurteilen. Bildlich gesehen, höre ich nicht auf die Kommentare der Rothüte. Ich lasse mich nicht fremd bestimmen. Ein Beispiel: Ich erfahre, dass es Bücher gibt, die aufzeigen, dass noch nie ein Mensch seinen Fuss auf den Mond gesetzt hat. Nun sollte ich die Offenheit haben, innerlich zu sagen: Mein Weltbild baute darauf auf, dass die Amerikaner die Ersten auf dem Mond waren. Ich habe es ja selbst im TV gesehen. Nun will ich die bis anhin unbekannten Fakten prüfen, die aufzeigen, dass die Menschheit angelogen wurde. Danach bilde ich mir ein Urteil.
All mein Wissen, meine Emotions- und Gedankenstrukturen werden durch eine solche Mitteilung in Frage gestellt. Trotzdem sollte ich offen sein, das Neue zu prüfen und nachher zu verwerfen oder mein Weltbild zu korrigieren.
Es kommt nicht darauf an, ob ich meine Lieblingsvorstellungen behalten kann, es kommt darauf an, ob ich eigenständig das Leben beurteilen kann. Offenheit braucht immer die erneuernde Kraft aus dem Gegenwarts-Feld, damit ich nicht im Netz der alten Strukturen hängen bleibe.
Die Weltgeschichte zeigt eine Vielzahl von Ideen, die lange beibehalten wurden und heute noch werden, weil man sich nicht von alten Vorstellungen trennen wollte und will. (Die Erde ist eine Scheibe; Kolumbus hat Amerika entdeckt; die elektrische Batterie wurde in der Neuzeit entdeckt; die Materie ist das Reale; Felder sind Fantasievorstellungen; alles ist von Ursache und Wirkung bestimmt; es gibt keine grössere Geschwindigkeit als die Lichtgeschwindigkeit; alle Farben entstehen aus dem Licht; der Mensch stammt vom Affen ab; es gibt keinen Unterschied zwischen Mensch und Tier; die Gene bestimmen alles; die Evolution wird vom Überleben des Stärksten angetrieben; der Mensch ist von Natur aus ein Egoist; usw.)

2. Übung: Selbstbestimmtes Handeln

Als zweite Übung folgt nach der Schulung des Denkens und Wahrnehmens das klare, nicht von aussen bestimmte Handeln. Ich bleibe noch im Bereich des Materie-Felds. Denn wenn ich handle setze ich Prozesse im Materie-Feld in Gang, d.h. ich bewege meine Glieder. Die Übung besteht nun darin, dass ich nicht von aussen bestimmt werde. Ich handle nicht, weil mir jemand einen Befehl gibt oder weil mich undurchschaubare Emotions- oder Gedankenmuster antreiben. Ich handle, weil ich es so will. Deshalb muss ich mir eine Handlung vornehmen, die im Alltag keinen Sinn macht. Ich nehme mir z.B. vor, um 11 Uhr den Wasserhahn aufzudrehen und wieder abzustellen. Ich lasse um 15 Uhr einen Stift fallen und hebe ihn wieder auf. Ich zerzause um 18 Uhr mein Haar und kämme mich danach wieder. Man kann beliebig Beispiele erfinden. Wichtig ist, dass sie keinen Sinn machen und dass ich sicher bin, dass der Impuls zur Handlung von mir selbst kommt. Wenn ich um 16.30 Uhr zum Kühlschrank gehe und ein Joghurt esse, kann ich nicht sicher sein, woher das Motiv kommt. Es könnte ja ein Emotionsmuster sein, das die Befriedigung im Essen sucht.
Die Willensschulung hilft mir, wenn in den Feldern verführerische Stimmen ertönen, dass ich meinen eigenen Weg gehen kann und mich nicht ablenken lasse. Ich kann mich ja nicht wie Odysseus an den Mast des Schiffes binden lassen, um den Sirenen widerstehen zu können.